Die Gedanken sind frei

Elles sont libres les pensées



Melodie - Melodie - um 1815 - MP3-517KB - Andreas, Franz, Günter & Thomas

1. Die Gedanken sind frei,
Wer kann sie erraten,
Sie fliehen vorbei,
Wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen,
Kein Jäger erschießen
Mit Pulver und Blei.
Die Gedanken sind frei!

2. Ich denke was ich will
Und was mich beglücket,
Doch alles in der Still',
Und wie es sich schicket.
Mein Wunsch, mein Begehren
Kann niemand verwehren,
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!

3. Und sperrt man mich ein
In finsteren Kerker,
Ich spotte der Pein
Und menschlicher Werke.
Denn meine Gedanken
Zerreißen die Schranken
Und Mauern entzwei,
Die Gedanken sind frei!

4. Drum will ich auf immer
Den Sorgen entsagen
Und will dich auch nimmer
Mit Willen verklagen.
Man kann ja im Herzen
Stets lachen und scherzen
Und denken dabei:
Die Gedanken sind frei!

Je pense ce que je veux,
elles sont libres, les pensées,
et ce qui rend heureux.
Personne ne peut les arrêter.
Je le fais en silence,
mes pensées peuvent s'envoler
à ma convenance
comme une ombre dans l'obscurité.

Mon désir, ma volonté,
aucun homme ne peut les deviner.
Personne ne peut les refuser,
aucun chasseur les tuer
C'est ma réalité
Aucun fusil assassiner
la liberté de penser,
la liberté de penser.

Et si l'on me jette
dans un cachot profond,
toujours il me reste
ma vérité au fond.
Aucun mur ne peut lui résister:
liberté de penser.
Aucune frontière l'arrêter:
"die Gedanken sind frei"
c'est ma réalité.
Liberté de penser,
la liberté de penser.
La liberté de penser,
die Gedanken sind frei.

Text und Melodie in "Lieder der Brienzer Mädchen", in Bern zwischen 1810 und 1820 gedruckt; oben ähnlich Hoffmann-Richters "Schlesischen Volksliedern", Leipzig 1842 Text auf süddeutschen Flugblättern aus der Zeit zwischen 1780 und 1800. Der Grundgedanke ist schon in Freidanks mittelhochdeutscher Spruchdichtung "Bescheidenheit" (d. h. Bescheidwissen, Lebensweisheit) vom Jahre 1229 ausgesprochen: "Diu bant mac nieman vinden, diu mine gedanke binden". Walther von der Vogelweide (etwa 1170 bis 1230) singt: "Sind doch Gedanken frei", der österreichische Minnesänger Dietmar von Aist (12. Jahrh.): "Die Gedanken, die sind ledig frei"