ausgewählte Beiträge
aus Nr. 2/2001, Juni / Juli / August 2001
Inhalt:
49. BdV-Landesverbandstag
Erste Begegnung mit dem neuen Landesbeauftragten für Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler, Staatssekretär Heribert Rech, MdL
Erika Reinhardt, MdB: Eine Kultur überlebt sich nicht – Bund nicht aus der Verantwortung entlassen. – Überzeugendes Vertrauens-votum für BdV-Landesvorsitzenden Arnold Tölg – Dank an den scheidenden Landesbeauftragten, Staatssekretär Willi Stächele.
Der 49.
BdV-Landesverbandstag am 12. Mai 2001 im Stuttgarter Haus der Heimat stand im
Zeichen der Neuwahlen des Landesvorstands sowie der Vorstellung des neuen
Landesbeauftragten für Vertriebene, Flüchtlinge und Spätaussiedler, des
Landtagsabgeordneten und Staatssekretärs im Innenministerium, Heribert Rech.
Der BdV-Landesvorsitzende
Arnold Tölg konnte eine große Zahl von Delegierten der BdV-Kreisverbände und
der Landsmannschaften begrüßen. Sein besonderer Gruß galt dem
BdV-Landesehrenvorsitzenden, Staatssekretär a. D. Gustav Wabro, dem er zu
mehreren Auszeichnungen herzlich gratulierte. Ein weiterer Gruß galt der
Alterspräsidentin, Gräfin Vitzthum, verbunden mit einem Glückwunsch zu ihrem
Geburtstag am Vortag. Schließlich galten Frau Wulff von der
BdV-Landesgeschäftsstelle als weiterem Geburtstagskind seine herzlichen
Glückwünsche.
Es folgte anschließend ein
Totengedenken, vorgenommen vom Geschäftsführenden BdV-Landesvorsitzenden, Karl
Walter Ziegler, in welchem er stellvertretend Alois Precchetel, den am 3. 3.
2001 verstorbenen, verdienstvollen Vorsitzenden des BdV-OV Malsch und
stellvertretenden BdV-Kreisvorsitzenden von Karlsruhe nannte.
In seinem Rechenschaftsbericht
nannte der BdV-Landesvorsitzende Arnold Tölg zunächst einige Höhepunkte des
letzten Jahres. darunter den am 24. 11. im Stuttgarter Landtag stattgefundenen
Tag der Heimatvertriebenen sowie das sehr gut besuchte Benefizkonzert im
Marmorsaal des Neuen Schlosses zu Stuttgart.
Das gute Wahlergebnis der
Landtagswahl am 25. März sei, so Tölg, auch den Heimatvertriebenen und Spätaussiedlern
zu verdanken, die überproportional die CDU und deren Politik gewählt haben.
Aufgrund der personellen
Veränderungen im neuen Kabinett Teufel sowie der Verlagerung des
Landesbeauftragten vom Staatsministerium in das Innenministerium - eine Entscheidung,
die innerhalb der Vertriebenen große Unruhe ausgelöst hat - , sei es Anfang Mai
zu Gesprächen mit Ministerpräsident Teufel selbst sowie dem neuen
Landesbeauftragten, Staatssekretär Heribert Rech, MdL, gekommen. Erwin Teufel
stellte dabei klar, daß Heribert Rech nicht nur im Innenministerium, sondern
ressortübergreifend für alle Fragen in seiner Eigenschaft als
Landesbeauftragter auch in anderen Ministerien voll zuständig und der
Landesregierung zugeordnet sein wird. Die "Bekanntmachung über die Berufung
eines Landesbeauftragten" von 1980 soll in Abstimmung mit dem BdV
überarbeitet und aufgewertet werden.
BdV-Landesgeschäftsführer Ulrich
Klein verwies in seinem Rechenschaftsbericht u.a. auf eine landesweit
intakte Verbandsstruktur und nicht nachlassende Aktivitäten, welche
in der Presseschau über die Veranstaltungen zum Tag der Heimat ihren
überzeugenden Ausdruck fanden. Die Mitglieder wurden über alle Aktivitäten
in Bund und Land mittels der BdV-Nachrichten gut informiert. Abschließend
verwies Klein auf das Jubiläumsjahr 2002 und die diesbezüglichen Planungen,
darunter die Verbreitung der Dokumentation "Flucht, Vertreibung,
Eingliederung.
In Vertretung des
Landesschatzmeisters Künzel, gab Frau Wulff im Rechenschaftsbericht wichtige
Zahlen und Statistiken zur Kenntnis.
Bei der Aussprache zu den
Berichten schlugen die Herrn Henschel (Göppingen) und Berger (Saulgau) vor, das
Thema Flucht und Vertreibung den Schülerinnen und Schülern durch die Übernahme
von Unterrichtsstunden als Zeitzeuge näherzubringen. Bisher erhielt man von
Schülern und der Lehrerschaft eine durchaus positive Resonanz. Die
verpflichtende Behandlung des Themas "Flucht und Vertreibung der
Deutschen“ in den Lehrplänen unseres Landes wurde nachdrücklich begrüßt.
Herr Ziegler betonte die
Wichtigkeit, dass die Belange der Vertriebenen auch in der neuen
Regierungserklärung des neuen Ministerpräsidenten Platz und Berücksichtigung
finden müssen. Dazu habe er dem Ministerpräsidenten konkrete Vorstellungen des
BdV LV übermittelt.
Nauch Auffassung der
BdV-Landesehrenvorsitzenden und Staatssekretär a. D., Gustav Wabro sei die
Neuberufung von Herrn Rech für den BdV positiv zu bewerten, da Herr Rech als
engagierter und einflußreicher Mann innerhalb der CDU schon viele schwierige
Probleme tatkräftig und effizient gelöst habe und als Sohn heimatvertriebener
Eltern einen inneren Bezug zu uns habe. Zudem käme es einer Aufwertung gleich,
dass der Landesbeauftragte zukünftig "bei der Landesregierung angesiedelt“
sein wird.
Nach dem Revisionsbericht von
Frau Gronowski verbunden mit dem Antrag auf Entlastung des Vorstandes, wurde
der Vorstand mit Enthaltung der Vorstandsmitglieder einstimmig entlastet. Die
Neuwahl des Landesvorstandes wurde von Herrn Marczy geleitet.
Arnold Tölg wurde in seinem
Amt einstimmig und mit großem Beifall bestätigt.
Nach der Mittagspause konnte
Herr Tölg den neuen Landesbeauftragten für die Heimatvertriebenen, Heribert
Rech, MdL, begrüßen.
Dessen Kurzvorstellung (siehe
unten) wurde von den Delegierten mit großem Beifall aufgenommen. Es herrschte
allgemein der Eindruck, daß Herr Rech sich als überzeugender Fürsprecher der
Interessen der Heimatvertriebenen sowie als gute Verbindung zwischen
BdV-Landesverband und Landesregierung erweisen werde.
Vom Landesvorsitzenden
Arnold Tölg ebenfalls herzlich begrüßt, folgten die Ausführungen der
Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden Vorsitzenden für
Vertriebenenfragen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Erika Reinhardt.
Sie machte in ihrer Rede auf
die „schleichende Tendenz zum Sozialismus, verursacht durch die rot-grüne
Bundesregierung in Berlin“, aufmerksam. In Sachen „Entschädigung der
deutschen Zwangsarbeiter“ tue diese zu wenig. Sehr bedenklich seien die
übertriebenen und unzumutbaren Mittelkürzungen für die Kulturarbeit der Heimatvertriebenen,
wodurch bestehende Kulturprojekte gefährdet oder zerstört werden. In diesem
Zusammenhang appellierte Frau Reinhardt an alle Verbände, stärker an den Bund
heranzutreten und mehr Druck auf ihn auszuüben. „Wir haben ein Stück Kulturgut
weiterzuerhalten. Eine Kultur überlebt sich nicht, es geht um mehr, als um eine
kleine Gruppe.“
Frau Reinhardt griff die
rot-grüne Bundesregierung auch in Sachen Rentenreform scharf an und nannte die
Revanchismus-Vorwürfe des Aussiedlerbeauftragten der Bunderegierung
„unzutreffend und völlig aus der Luft gegriffen“.
Auf die Problematik der
Benesch-Dekrete angesprochen, betonte Frau Reinhardt, daß es von denjenigen in
der tschechischen Regierung, die diese weiterhin befürworten, unverantwortbar
sei. Dies sei dem Frieden und der Versöhnung zwischen beiden Völkern in keiner
Weise dienlich und auch unter diesen Bedingungen eine Aufnahme in die
Europäische Union nicht zu vertreten.
Im Tagesordnungspunkt 7 wurde
u. a. über den Antrag der Siebenbürger Sachsen zum Thema „Auflösung des Museums
der Siebenbürger Sachsen in Gundelsheim und Verlagerung nach Ulm“ diskutiert
und beraten. Da diese Verlagerung ein unzumutbarer Eingriff seitens des Bundes
sei und die Einheit der Museumsstätte zerstört werde, sei man strikt gegen eine
Verlagerung. Der Antrag wurde einstimmig angenommen (Wortlaut siehe
nebenstenden Kasten). Desweiteren verabschiedeten die Delegierten einen
Leitantrag zum Thema: „Menschenwürde und Menschenrechte sind Fundamente
Deutschlands und Europas“.
Mit den Worten des Dankes
und allen guten Wünschen für eine erfolgreiche Verbandsarbeit in allen
Bereichen beendete der BdV-Landesvorsitzende Arnold Tölg den 49.
Landesverbandstag, der mit der 3. Strophe des Deutschlandliedes ausklang.
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Erika Reinhardt, MdB Stellvertretende Vorsitzende der Arbeitsgruppe Aussiedler und Vertriebene der CDU/CSU-Bundesfraktion fand bei ihren Ausführungen die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der Delegierten. (Foto: Nemitz) |
Heribert Rech, MdL:
… Komme mit offenen Armen auf Sie zu und
freue mich auf eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen …
(Redeauszug 49.
BdV-Landesverbandstag)
Sehr geehrte Damen und
Herren,
liebe Landsleute,
ich bedanke mich ganz herzlich
für die Einladung, dafür, daß Sie mir Gelegenheit geben, heute ein kurzes
Grußwort bei Ihrer Delegiertenversammlung zu sagen …
Ich will Ihnen, weil ich
denke, das gehört sich so, einfach nur ein paar Worte sagen zu meiner Person
und zu meiner Herkunft …
Meine Eltern sind Donauschwaben.
Sie sind während des Krieges geflüchtet. Mein Bruder war bei der Wehrmacht
eingezogen. Er hat den Krieg zwar überlebt, ist aber dann noch 1949
im Alter von 24 Jahren verstorben. Da waren meine Eltern schon in Östringen,
später dann in Bad Schönborn angesiedelt, wie viele donauschwäbische
Landsleute auch allein in dem kleinen Ort Langenbrücken. Das waren damals
etwa 2500 Einwohner. Dort haben sich über 200 Familien donauschwäbischer
Herkunft nach dem Krieg niedergelassen. Damit will ich auch gleichzeitig
sagen: Es war eine große Leistung der einheimischen Bevölkerung diese
Flüchtlinge nicht nur in Langenbrücken, überall im Land, gerade auch
in Baden-Württemberg zu integrieren. Aber es war eine Leistung, in einem
daniederliegenden Land von beiden Seiten also auch von den vielen Millionen
Flüchtlingen, die in dieses Land gekommen sind. Ich will Ihnen nur sagen,
daß ich selbst als einer der nach dem Krieg 1950 hier geboren wurde,
zwar nicht mehr der Erlebnisgeneration angehöre. Ich fühle mich aber
sehr wohl verpflichtet, das Erbe meiner Vorfahren zu bewahren, zu erhalten
und auch weiter zu geben. Und unser Ministerpräsident sagt immer wieder
und er hat recht, deswegen darf ich es betonen, dieses kulturelle Erbe
der Heimatvertriebenen ist zwischenzeitlich ein Stück Kultur dieses
Landes Baden-Württemberg geworden. Schon daraus ergibt sich die Verpflichtung
auch für die nächste Generation, dieses Erbe zu bewahren.
Schiller hat zurecht gesagt,
und an dieser Stelle darf ich es zitieren Was du ererbt von deinen Vätern,
erwirb es um es zu besitzen und erwerben können wir es nur, wenn wir uns damit
beschäftigen, wenn wir uns damit auseinandersetzen. Wir, damit meine ich vor
allem die Generation die hier geboren wurde. Die sich natürlich als
Baden-Württemberger fühlt wie ich, aber dieses Erbe eben nur dann tatsächlich
erwirbt, wenn wir uns damit auseinander setzen. Und wenn wir dies tun,
aufmerksam und mit Interesse, dann wird es nicht ausbleiben können und das darf
ich für mich sagen, für mich persönlich, daß wir auch stolz auf dieses Erbe
sind und sein dürfen. Ich bin es, und aus diesem Stolz wächst die
Verpflichtung. Und ich will ein letztes sagen; Verpflichtung heißt für mich,
ihre Interessen wahrzunehmen in der Landespolitik, am Kabinettstisch. Unser
Ministerpräsident hat immer ein offenes Ohr für Ihre Belange, das muß ich
sagen, und dies wissen Sie auch alle. Ihre Interessen wahrzunehmen heißt für
mich auch die Verpflichtung zur aktiven Mitarbeit. Das heißt, wo immer Sie mich
um Hilfe bitten, auch aktiv in den Verbänden mitzuarbeiten, im Bund der
Vertriebenen beispielsweise oder sonst wo, werde ich mich der Verpflichtung und
der Verantwortung nicht entziehen, sondern ich werde mich ihr gerne stellen und
ich weiß, daß mit Ihnen die Zusammenarbeit immer schon, ich weiß das von meinen
Vorgängern Willi Stächele, und Gustav Wabro immer auch für denjenigen
persönlich eine hohe Bereicherung in seinem politischen Leben darstellt. In
diesem Sinne komme ich mit offenen Armen auf Sie zu und freue mich auf eine
gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Ihnen. Herzlichen Dank, alles Gute
jedem Einzelnen von Ihnen.
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Heribert
Rech Geboren am 25. April 1950
in Östringen; katholisch, verwitwet, zwei Kinder. |
Antrag an den 49. Verbandstag des BdV-Landesverbandes Baden-Württemberg, Stuttgart, 12. Mai 2001
Die Landesgruppe
Baden-Württemberg der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Deutschland
e.V. wendet sich an den BdV-Landesverbandstag und bittet diesen, folgendes zu
beschließen:
Alfred Mraas,
Landesvorsitzender
Goldenen Ehrennadel des BdV-Landesverbandes für
Regierungsdirektor Horst Rieser
„In Anerkennung der
außerordentlichen Verdienste um die Heimavertriebenen, Flüchtlinge und
Spätaussiedler”, so der Text der Urkunde, erhielt Horst Rieser, seit 1980
persönlicher Referent der Landesbeauftragten Helmut Haun, der Staatssekretäre
Gustav Wabro und Willi Stächele aus der Hand des BdV-Landesvorsitzenden Arnold
Tölg diese hohe verbandliche Auszeichnung mit herzlichen Worten des Dankes und
der Anerkennung. Langanhaltender Beifall der Delegierten begleitete diesen
feierlichen Akt.