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"Gedanken zu Weihnachten"

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Liebe Freunde, liebe Landsleute.

Auch wenn wir schon viele Weihnachtsfeste erlebt haben: das kommende ist ein ganz Besonderes.
Es ist das erste Weihnachten in diesem neuen Jahrtausend. Vor 2000 Jahren erblickte Jesus Christus das Licht der Welt. Tausende von Christen aus der ganzen Welt haben sich vorgenommen, heuer an Weihnachten die Geburtskirche Christi in Bethlehem zu besuchen. Ob daraus etwas wird, steht in den Sternen. Denn: Bethlehem liegt im Westjordanland, einem Gebiet, in dem es seit Monaten immer wieder zu heftigen blutigen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern kommt.

„Friede auf Erden!" Diese Botschaft des Evangeliums wird ausgerechnet im Mutterland des Christentums mit Füßen getreten. Wer glaubte, das neue Jahrtausend werde ein Jahrhundert des Friedens, wurde leider bereits jetzt eines Besseren belehrt.

Weihnachten ist zweifellos das Fest der Liebe und des Schenkens. Schen­ken ist keine Sache des Geldbeutels. Wer von Herzen schenkt, will glücklich machen. Das Geld spielt dann kaum eine Rolle. Wie geht das? Es ist ganz einfach. Ich will Ihnen für jeden der zwölf Monate des nächsten Jahres ein Geschenk nennen, das garantiert glücklich macht:

Das erste Geschenk ist Zeit

Zeit für andere. Ein wertvolles Ge­schenk in unserer hektischen Welt. Ein Gespräch mit einem Freund in Not. Ein Besuch bei einem kranken Verwand­ten. Ein Nachmittag mit unseren Kindern, unseren Enkeln, unserem Ehe­partner. Zeit für Wärme. Zeit für An­teilnahme. Zeit für Liebe. Zeit für Hilfe.

Das zweite Geschenk ist ein gutes Beispiel

Zeigen Sie Respekt. Zeigen Sie Mit­leid. Zeigen Sie, dass Sie jemand sind, auf den man sich verlassen kann. Zei­gen Sie, dass Sie gerecht sind, aufrich­tig und anständig. Gerade für junge Menschen ist ein gutes Beispiel von un­schätzbarem Wert.

Das dritte Geschenk ist Toleranz

Wer Konflikte zwischen Menschen beilegen will, der muss unterschiedli­che Charaktere und Meinungen tole­rieren. Toleranz ist in unserer Welt der Konflikte eine seltene Gabe.

Das vierte Geschenk ist, nur das Beste im Menschen zu sehen

Lassen sie die Menschen in Ihrer Umgebung wissen, dass Sie nur gute Seiten sehen. Dann werden sich auch Ihre Mitmenschen von ihrer besten Seite zeigen.

Das fünfte Geschenk: Geben Sie eine schlechte Gewohnheit auf

Schlechte Gewohnheiten belasten andere. Wenn Sie jemanden wirklich mögen: Geben Sie ihm zuliebe eine Ihrer schlechten Gewohnheiten auf.

Das sechste Geschenk ist Wissen

Lassen Sie andere von Ihrem Wissen profitieren. Und verschenken Sie Ihr Wissen ruhig reichlich. Sie verlieren nichts, aber Sie gewinnen viel.

Das siebte Geschenk ist Zuhören

Ein guter Zuhörer ist etwas ganz Be­sonderes. Vor allem für Menschen, die Probleme oder Kummer haben. Geduldig zuzuhören ist ein ganz besonderes Geschenk. Sagt es doch: Du bist mir wichtig. Was du mir zu sagen hast, ist meine Zeit wert.

Das achte Geschenk ist Freude

Erfüllen Sie andere mit Frohsinn und Heiterkeit

Das neunte Geschenk ist, sich beschenken zulassen

Zeigen Sie Ihre Freude, wenn andere Ihnen eine Freude bereiten wollen. Sie machen damit den Geber glücklich.

Das zehnte Geschenk ist Diskretion

Respektieren Sie das Bedürfnis an­derer nach Stille und Zurückgezogen­heit. Schenken Sie Diskretion immer dann, wenn Ihre Freunde Diskretion brauchen.

Das elfte Geschenk ist Selbstachtung

Ihre Kritik sollte niemals schonungslos sein. Bewahren Sie die Selbstachtung anderer. Überlassen Sie niemanden der Lächerlichkeit.

Das zwölfte und letzte Geschenk ist Offenheit

Öffnen Sie sich denen, die Sie lieben. Lassen Sie geliebte Menschen in Ihr Herz und in Ihren Kopf schauen. Ge­ben Sie anderen die Chance, an Ihrem Leben teilzuhaben. Machen Sie sich selbst zum Geschenk

Jedes einzelne der Geschenke macht glücklich. Es macht glücklich, weil es Kraft, Hilfe, Anteilnahme und Verständnis darbietet. Jedes dieser zwölf Geschenke ist so wertvoll, weil es mit Geld nicht zu bezahlen ist.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen stillen Advent, gesegnete Weihnachtstage und ein friedfertiges neues Jahr 2001.

Karl-Heinz Busch

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Politische Gestalt der Zukunft
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Die furchtbaren Geschehnisse des 20. Jahrhunderts haben in Europa viele Verwüstungen hinterlassen. Viele Be­troffene leben noch und haben erst an­satzweise die Tragödien der Vergan­genheit abgearbeitet. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989/90 können die Bürger Europas sich austauschen und sofern sie dies wünschen, fruchtbare Diskussionen führen. Für Mitteleuropa und die angrenzenden Staaten ist die Vergangenheit zwar noch präsent, dennoch greift die Zukunft dynamisch auf uns über. Die Schaffung der Eu­ropäischen Union, die Ost-Erweite­rung und die Reform der Gemein­schaftseinrichtungen stehen auf dem politischen Spielplan. Wie die nähere Zukunft sich entwickelt, können wir zwar erahnen, aber nicht genau vor­herbestimmen.

In einem politischen Aufsatz hat jetzt Aleksander Kwasniewski, Präsi­dent der Republik Polen, zu einigen Fragen Stellung bezogen. Er führte u. a. aus: „Polen ist das einzige große Land unter den Beitrittskandidaten. In der Diskussion über das Kräftegleich­gewicht in der künftigen Union könnte Polen sich leicht auf die Seite der großen oder mittelgroßen Staaten schlagen. Schließlich ist völlig klar, dass es viele ihrer Argumente teilt.

Die jahrelange Zusammenarbeit mit den anderen Beitrittskandidaten hat Polen aber auch gelehrt, was für ein enormes politisches Kapital sie in ihren EU-Beitritt investieren. Polen weiß, wie stark ihre Entscheidung für Europa ist. Polen will daher die derzei­tigen Mitglieder davon überzeugen, dass die neuen Mitglieder eine starke Union mindestens ebenso schätzen wie sie. Keiner will das Stigma tragen, die EU zu verwässern. Im Gegenteil: Indem sie der Union mit fünfzigjähriger Verzögerung beitreten, werden die neuen Mitglieder um so mehr beweisen wollen, wie europäisch sie sind. Hastige Pläne zur Schaffung einer Avantgarde, nur um die intime Atmosphäre der europäischen Integration zu bewahren, sind nicht gerechtfertigt. Die Intimität zwischen jenen Länder, die einst die Montanunion gründeten, ist längst dahin. Jeder sollte sich damit abfinden.

Die Zukunft der europäischen Integration wird anders aussehen als ihre Vergangenheit. Sie wird aber auch besser sein, denn an ihr wird eine größere Zahl von Ländern beteiligt sein."

Für die zukünftigen Mitglieder der Europäischen Union werden aber politische Grundsätze Gültigkeit haben, denen heute noch einzelne Politiker widersprechen. Beispielsweise wird für Polen die Niederlassungsfreiheit unumschränkte Gültigkeit haben. Jeder EU-Bürger kann dann dort sich niederlassen und Investitionen tätigen. Weitgehende Minderheitenrechte müssen seitens des Staates gewährt werden und durch entsprechende innerstaatliche Gesetze verabschiedet und geschützt werden. Aber für die Menschen gilt die Botschaft, nur miteinander kann die Zukunft gemeistert werden. Die Frage der Regionen wird Aktualität erlangen auch über die nationalen Grenzen hinweg. Große Veränderungen stehen bevor. Mutig und entschlossen sollten sie angegangen werden. Die Vergangenheit sollte nicht vergessen werden, aber den Blick gilt es uneingeschränkt nach vorne zu richten. KS

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 Unfähig zu trauern
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Wir Menschen leben von Erinnerungen, Erlebnissen, begehen Gedenktage. Katholische und evangelische Gläubige besuchen seit altersher in den ersten Novembertagen die Gräber der Verstorbenen; der Buß- und Bettag, im Nebelmonat, bietet Gelegenheit zum Gebet, zur Kontemplation. Wie der Einzelne auch immer seinen Verstorbenen Dankbarkeit, Liebe und Verehrung entgegenbringt, die nationale Aufgabe des Erinnerns der Toten beider Weltkriege und der Opfer der Gewaltherrschaft übernimmt alljährlich der Volksbund Deutsche Kriesgräberfürsorge am Volkstrauertag. In feierlicher Form gedenken die Menschen, überall in Deutschland der vielen Millionen gefallener Soldaten auf den Schlachtfeldern Europas, Asiens und anderen Kriegsschauplätzen, der umgekommenen Menschen in Konzentrationslagern, den unzähligen Toten, die in den Städten durch Fliegerangriffe um ihr Leben kamen und den durch Flucht und Vertreibung Umgekommenen. Die Trauer um einen lieben Menschen schwächt sich im Laufe der Jahre ab, schwindet dahin, verblasst.

Es gibt Schmerzen, die auch noch nach Jahrzehnten lebendig bleiben, sich gegen das Vergessen sträuben: Die Vertreibung von Haus und Hof, den Verlust der Heimat. Wie sieht das Umgehen der Deutschen mit dem Leid, dem Schmerz der Vertriebenen aus? Alexander Mitscherlich, Arzt und Psychoanalytiker betitelte eines seiner Bücher: „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft- Die Unfähigkeit zu trauern". Hatte A. Mitscherlich Recht? Eines seiner ersten Amtshandlungen, nach Einsetzung zum EKD-Ratsvorsitzenden des Bischofs Kock, bestand darin zu erklären, dass sich die evangelische Kirche schon Ende der 40er Jahre dazu bereit fand, die Vertreibung als geschehene Tatsache hinzunehmen. Unfähig zu trauern? Es sei in diesem Zusammenhang noch an die umstrittene EKD­ Denkschrift der 70er Jahre erinnert. Zur Belustigung und Diffamierung dienten die Vertriebenen den Kabarettisten, hier tat sich besonders die Lach- und Schießgesellschaft mit Dieter Hildebrandt hervor. Hohn und Spott gossen die Politiker, die Medien Revanchisten, Ewiggestrige, Heimwehtouristen u.v.a.m. - über die Leidgeprüften. Wer erinnert sich nicht an die unversöhnlichen Streitereien, Auseinandersetzungen zwischen politischen Parteien in gehässigem, verletzendem Umgang untereinander. Ich sehe noch heute das vor Wut puterrote Gesicht des Jochen Vogels, von der SPD, als dieser in den späten 80er Jahren im Bundestag hasserfüllte Angriffe auf die Vertriebenenvertreter Czaja und Hupka abfeuerte, nur weil sich diese Menschen für das Heimatrecht der Heimatlosen einsetzten. Seit etwa einem Jahrzehnt bedient man sich der Methode des Verschweigens. Allerdings rührt sich die empfindsame deutsche Seele globusweit bei der kleinsten Menschenrechtsverletzung, so bei der Vollstreckung der Todesurteile an den Le-Grand-Brüdern in Texas oder bei der Protestveranstaltung der FaluGong-Sekte in Peking. Das sonderbare tolerante Verhalten allem Fremden gegenüber, steht im krassen Gegensatz, welches der deutsche Zeitgenosse seinen Brüdern entgegenbringt. Sichtbar im Slogan: „Fremde brauchen Freunde." Die eigenen Brüder offenbar keine!

Am 5. November übertrug der Deutschlandfunk die katholische Sonntagsmesse aus der Propsteikirche in Lübeck. Zu Beginn der Predigt erinnerte Kaplan Peter Otto an den Münsteraner Bischof August Graf von Galen und sein mutiges Eintreten (1941), als es um den Umgang des 3. Reiches mit „unproduktiven Volksgenossen" ging. Kaplan Otto sagte: „Von Galen damals: ,Sie können nicht mehr Güter produzieren, sind wie eine alte Maschine, die nicht mehr läuft ... Was tut man mit solch alter Maschine? Sie wird verschrottet ... Nein, hier handelt es sich um kranke, unproduktive Menschen meinetwegen. Aber haben sie damit das Recht auf Leben verwirkt? Hast du, habe ich nur solange das Recht zu leben, solange wir produktiv sind?"` „Der seinerzeit an der Propsteigemeinde tätige Kaplan Johannes Prassek sprach mit Priestern, Gemeindemitgliedern und öffentlich über die Galen-Predigt. Das NS-Regime sah das mutige Diskutieren als landesverräterische Feindbegünstigung an und verurteilte Johannes Prassek und andere Mitstreiter 1943 zum Tode. Im weiteren Verlauf der Predigt sagte Peter Otto: „Wer Gott und den Nächsten wirklich liebt, der kann nicht schweigen, wenn die Rechte der Menschen, wenn das Recht auf Leben mit Füßen getreten werden. Als Christen dürfen wir nicht unbeteiligte Zuschauer bleiben wie die drei berühmten Affen, die nichts sehen, nichts hören und demnach nichts sagen ... Wir dürfen nicht schweigen, wenn Menschen ausgegrenzt werden oder das Recht auf Asyl in Frage gestellt wird."

Leider verhalten sich Bundestag, Bundesregierung und die Medien gegenüber den Anliegen der Heimatvertriebenen wie die drei Affen; von Mitgefühl, gar Trauer ganz zu schweigen. für die Vertriebenen bleibt nur W. Brandts Kniefall - in Warschau übrig. Dieser erdrückte alle Hoffnungen und Zusagen, ließ jegliche Solidarität ersterben erstickte den Aufschrei Tausender  geschundener Frauen und Kinder; bewirkte den Verlust der Heimat, der Identität. Anders das Gedenken der Juden für jedermann sichtbar - an der zentralen Stätte Yad Vashem. Die ganze Welt ist in den Schmerz, das Leid einbezogen; auch Unbeteiligte identifizieren sich, fühlen mit den Opfern. Wie sieht es mit dem Gedenken an den Genocid der ostdeutschen Vertriebenen aus? Der französische Minister Leon Gambetta mahnte nach dem Verlust Elsass-Lothringen an Deutschland, am 18. November 1871, seine Landsleute: „Niemals davon sprechen, immer daran denken!" Obwohl die von ihrem Vaterland getrennten Menschen in ihren Häusern, in ihrer Heimat verbleiben konnten!

Das Vertreibungsverbrechen, das den Ostdeutschen widerfuhr, versuchen Medien, politische Parteien, kirchliche Institutionen mit Verzicht, Verschweigen, Vergessen zu lösen. Trauer ist kaum erkennbar, eher schon Gleichgültigkeit. Der Volksbund Deutsche Kriesgräberfürsorge gedenkt zwar alljährlich der vielen Toten, die durch kriegerische Handlungen ihr Leben lassen mussten. Die Ungeheuerlichkeit der Vertreibung lässt es angezeigt, dieses Verbrechen gegen die Menschlichkeit als mahnenden „Tag der Vertreibung" besonders im Gedächtnis der Menschen grundzulegen. Leopold von Ranke, der Universalhistoriker des 19. Jahrhunderts, sah die Völkerwanderung und die Kreuzzüge als die herausragenden, schlimmen Ereignisse der Weltgeschichte an. Die Verbrechen des 20. Jahrhunderts zu kommentieren blieben ihm, dank seiner frühen Geburt, erspart. Dafür soll Papst Pius XII. zu Wort kommen. Er sagte am 1. März 1948 u. a.: „Die Vertreibung der Ostdeutschen ist ein in der Vergangenheit Europas beispielloses Vorgehen " gewesen.

Wären nicht wenigstens wir Deutschen in der Schuld der Vertreibung von Millionen unschuldiger Menschen - diesem beispiellosen Verbrechen - an einem besonderen Tag zu gedenken? Wenn schon nicht aus einem Gefühl der Pflicht, so doch der Dankbarkeit, dass diese bedauernswerten Menschen das Joch der Heimatlosigkeit auf sich nahmen, wissend, was es bedeutete den Menschen „mit Zwang von seiner Heimat zu trennen: ihn im Geist zu töten! " (Zitat aus der „Charta der Vertriebenen") Was für die Juden Yad Vashem ist, muss für die Deutschen: Stätte der Erinnerung, Mahnung.über den Verlust der ostdeutschen Heimat, aber auch Dankbarkeit gegenüber der Opferbereitschaft der Schlesier, Pommern, Ostpreußen und Sudetendeutschen sein. Ein Kniefall im eigenen Haus wirkte glaubwürdiger, ehrlicher, gäbe Würde zurück! Eugen Otzipka

 

 

 

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20.Dezember 2000
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