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Ein Neubeginn für „Unser Oberschlesien"
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Das kommende Jahr 2001 wird für die traditionsreiche Heimatzeitung „Unser Oberschlesien" einen Neubeginn mit sich bringen. De Chmielorz-Verlag wird sich zum Jahresende von „Unser Oberschlesien" trennen und im Einvernehmen mit dem Bundesverband diee Landsmannschaft der Oberschlesier wird die Zeitung in Zukunft im Senfkorn-Verlag Alfred Theisen mit Sitz in Görlitz und in St. Annaberg O/S erscheinen. Für Deutschland wird zunächst der Redaktionssitz Görlitz (Brüderstr.13, 02826 Görlitz/Schlesien) und für Oberschlesien St. Annaberg O/S (ul. Klasztorna 4, 47-154 Gora sw. Anny) zu finden sein. Die Zeitung wird ab Januar in Oppeln gedruckt werden.

Von der Rückkehr der Zeitung nach Oberschlesien versprechen wir uns eine umfassendere und aktuellere Information aus der oberschlesischen Heimat sowie eine wachsende Verbreitung der Zeitung in Oberschlesien und damit auch eine Stärkung des Zusammenhaltes aller Oberschlesier. Dies gilt in besonderer Weise für die gerade in diesen Zeiten des Wandels an Bedeutung gewinnende Tätigkeit der oberschlesischen Orts- und Heimatkreisvereinigungen.

Zudem soll „Unser Oberschlesien" durch Neuerungen im drucktechnischen und im redaktionellen Bereich attraktiver gestaltet werden. Unter anderem ist eine Vergrößerung des Formats, der Schriftgröße, der Seltenzahl sowie die schrittweise Realisierung farbiger Seiten geplant. Der langjährige Chefredakteur Horst Schmidt wird auch der neuen Redaktion zur Seite stehen, die jedoch um neue Mitarbelter vor allem in Oberschlesien verstärkt wird. Von einer ansprechenden, informativen Berichterstattung sollen verstärkt Impulse für die landsmannschaftliche Arbeit Im Westen, als auch den heimatpolitischen Einsatz der Oberschlesier vor Ort ausgehen. Die erste Ausgabe von „Unser Oberschlesien" unter der neuen redaktionellen und verlegerischen Leitung wird zum 15. Januar 2001 die Leser erreichen

**Alfred Theisen  Senfkorn-Verlag**

**Klaus Placzczek Sprecher und Bundesvorsitzen  der Landsmannschaft  der Oberschlesier**

 

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Ein Leserbrief
Polonisierung groß geschrieben
 

Im Artikel: „Umbenennung von Ortsnamen. . ." in der der Heimatzeitung Nr. 21 vom 08. November 2000 schreibt Herr F. Mierzwa unter anderem:

Wer aber in dieser Angelegenheit von einer Germanisierung spricht, der sollte sich aber auch kundig über die „Polonisierung" machen. Der soll nachdenken, warum viele Siedler . . . polnische Namen erhielten? . . . Weiter soll man die Polonisierung nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgen. . .

Dazu möchte ich einige persönliche Erlebnisse in der Zeit nach 1945 schildern. Wir wohnten bis 1965 in Hindenburg. Um 1950 erhielt meine Mutter eine Vorladung zur Polizeibehörde mit der Anordnung, unseren Familiennamen „Fromm" zu ändern. Die Behörde fand damals heraus, dass meine Großmutter väterlicherseits eine geborene „Toczkowski" war und diesen Namen sollten wir jetzt. annehmen. Meine Mutter weigerte sich mit dem Erfolg, dass in meinen Schulzeugnissen der Familienname nur mit einem „m" geschrieben wurde, also „From". Meinen Vornamen „Klaus" änderten die polnischen Behörden nicht, aber in meinen Schulzeugnissen wurde der Vorname „Klaudiusz" eingetragen. Bei meinen Geschwistern wurden die Vornamen amtlich polonisiert, z. B. Hans-Jörg in „Jerzy", Anneliese in Analiza (was wörtlich der deutschen Bezeichnung „Analyse" entspricht), oder Eckehard in „Jan". Diese Vornamen mussten meine Geschwister und ich bis zur Umsiedlung in die Bundesrepublik führen.

Meiner Ehefrau, die ich 1951 kennenlernte, änderte man amtlich den Vornamen Annelies in „Anna" und den Nachnamen von Hilf in „Waloszek", weil meine Schwiegermutter den Mädchennamen Wallossek trug. In einer bei uns vorhandenen polnischen Geburtsurkunde heißt es also: Anna Waloszek, Vor- und Zuname des Vaters Wilhelm Hill (der Schwiegervater fiel als Soldat in Russland und so konnte man seinen Vor- und Zunamen nicht mehr polonisieren), Vor- und Geburtsname der Mutter Marta Olga Waloszek. Somit wäre also meine Ehefrau als uneheliches Kind geboren.

Über manche Ereignisse haben wir damals viel gelacht. So bekam mein Cousin mit Vornamen Heinz eine Vorladung zur Behörde, wo er seinen Vornamen ändern sollte. Er sagte prompt: Dann ändert meinen Vornamen in „donny". Die Beamten fanden das nicht zum lachen und änderten einfach den Vornamen von Heinz in „Henryk". Es kommt aber noch schöner.

1958 wurde unser Sohn geboren. Es war wie damals üblich eine Hausgeburt und die Hebamme fragte uns, wie der Sohn nun heißen solle. Meine Frau und ich antworteten „Wolfgang". Darauf meinte die Hebamme, dass wir mit diesem Vornamen Probleme beim Standesamt bekämen. Wir einigten uns dann auf den Vornamen „Manfred", die Hebamme schüttelte auch hier mit dem Kopf.

Am darauffolgenden Tag marschierte ich zum Standesamt und musste hier im Vorzimmer warten. Als die Sekretärin für kurze Zeit den Raum verließ, sah ich auf dem Schreibtisch ein rotes Büchlein liegen mit dem Titel: „Amtliches Verzeichnis der in der Volksrepublik Polen angewandten Vornamen". Ich schlug dieses Buch auf und mich traf fast der Schlag. Da stand doch hinter dem Vornamen Adam an zweiter oder dritter Stelle der Vorname Adolf. Ich blätterte weiter, Wolfgang stand nicht darin aber der Manfred. Das stärkte mein Rückgrad. Ich legte das Buch wieder auf den Schreibtisch zurück und wartete. Als ich dann das Zimmer des Standesbeamten betrat, ein Herr Henryk Glinka, wurde ich sehr höflich begrüßt. Seine Frage nach dem gewünschten Vornamen beantwortete ich mit „Wolfgang". Herr Glinka lehnte diesen Vornamen ab und sagte, dieser wäre eine Erfindung von Hitler und somit in Polen nicht erlaubt. Darauf sagte ich: Ich dachte immer, Mozart hätte vor Hitler gelebt. Schweigen. Aber der mir zugeworfene Blick hätte mich auf der Stelle töten können. Dann äußerte ich meinen Wunsch nach dem Vornamen Manfred. Nach einigem hin und her sagte Herr Glinka zu mir, ich solle mich auf das Stadtamt in die Abteilung für Inneres begeben und dort meinen Wunsch vortragen. Zu dieser Zeit kam die Abteilung für Inneres der Parteizentrale gleich.

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Polonisierung Seite 2

So ging ich also zum Stadtamt in die Abteilung für Inneres. Dort wurde ich auch wieder sehr höflich empfangen, durfte in einem Ledersessel Platz nehmen und trug meine Bitte nach dem Vornamen Manfred vor. Mit Wolfgang fing ich schon gar nicht mehr an, denn ich wusste doch, dass dieser Vorname nicht in der Liste stand. Nach einem langen Gespräch und dem Hinweis des Abteilungschefs, dass es doch „so schöne und wohlklingende polnische Vornamen gäbe" sagte der Chef plötzlich zu mir, ich solle doch für meinen Sohn den Vornamen Adolf nehmen. Plötzlich stieg mir das Blut in den Kopf und ich sagte ohne zu zögern: Den Vornamen Adolf will ich nicht, denn ein Mensch mit diesem Vornamen hat viel Unheil über die Welt gebracht.

Und wieder Schweigen. Dann wurde mir gesagt, ich solle wieder zum Standesamt gehen, er (der Abteilungsleiter) würde dort anrufen und ich bekäme für meinen Sohn den Vornamen Manfred.

So ging ich also wieder zum Standesamt. Ich wurde sofort von Herrn Glinka empfangen und er sagte zu mir: Sie wollen also für ihren Sohn den Vornamen Adolf haben? Da war es mit meiner Geduld endgültig vorbei. Ich sagte zum Herrn Glinka: Ich werde mit Ihnen nicht mehr diskutieren. Morgen fahre ich nach Kattowitz zum Wojewodschaftsamt und werde dort den Vornamen Manfred erhalten. Solange mein Sohn nicht diesen Vornamen bekommt, bleibt er ohne Vornamen. So bekam ich also von Herrn Glinka den Vornamen Manfred. Daraufhin sagte ich: Herr Glinka, Sie als Oberschlesier wissen, dass hier bei uns der Sohn den zweiten Vornamen nach dem Vater bekommt. Nun begann die Geschichte von neuem, denn ich wollte als zweiten Vornamen für meinen Sohn den „Klaus". Wieder nach einigem hin und her bekam ich dann die Geburtsurkunde für meinen Sohn mit den Vornamen „Manfred Klaudiusz".

Vier Jahre später kam unsere Tochter zur Welt. Für sie bekam ich nicht den Vornamen „Gisela", sondern in der Geburtsurkunde wurde „Griseldis" eingetragen.

Traurig aber wahr. Nach der Umsiedlung in die Bundesrepublik im Jahr 1965 und dem Zuzug nach Wiesbaden stellten wir beim Regierungspräsidenten in Darmstadt umgehend den Antrag auf Änderung der Vor- und Zunamen, was auch problemlos vor sich ging. Ich nehme an, dass es so wie uns auch vielen anderen Oberschlesiern erging.

Für mich bleibt die Erkenntnis, dass ein Oberschlesier, der in der damaligen Zeit in der Heimat ein Amt bekleidete wie der Standesbeamte Herr Glinka, schlimmer war als die Polen selbst.

Klaus Fromm, Hans-Böckler-Str. 104,  65199 Wiesbaden

 

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06.Dezember 2000
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