| Im Artikel:
Umbenennung von Ortsnamen. . ." in der der Heimatzeitung Nr. 21 vom 08.
November 2000 schreibt Herr F. Mierzwa unter anderem:
Wer aber in
dieser Angelegenheit von einer Germanisierung spricht, der sollte sich aber auch kundig
über die Polonisierung" machen. Der soll nachdenken, warum viele Siedler . . .
polnische Namen erhielten? . . . Weiter soll man die Polonisierung nach dem Zweiten
Weltkrieg verfolgen. . .
Dazu möchte ich
einige persönliche Erlebnisse in der Zeit nach 1945 schildern. Wir wohnten bis 1965 in
Hindenburg. Um 1950 erhielt meine Mutter eine Vorladung zur Polizeibehörde mit der
Anordnung, unseren Familiennamen Fromm" zu ändern. Die Behörde fand damals
heraus, dass meine Großmutter väterlicherseits eine geborene Toczkowski" war
und diesen Namen sollten wir jetzt. annehmen. Meine Mutter weigerte sich mit dem Erfolg,
dass in meinen Schulzeugnissen der Familienname nur mit einem m" geschrieben
wurde, also From". Meinen Vornamen Klaus" änderten die polnischen
Behörden nicht, aber in meinen Schulzeugnissen wurde der Vorname Klaudiusz"
eingetragen. Bei meinen Geschwistern wurden die Vornamen amtlich polonisiert, z. B.
Hans-Jörg in Jerzy", Anneliese in Analiza (was wörtlich der deutschen
Bezeichnung Analyse" entspricht), oder Eckehard in Jan". Diese
Vornamen mussten meine Geschwister und ich bis zur Umsiedlung in die Bundesrepublik
führen.
Meiner Ehefrau,
die ich 1951 kennenlernte, änderte man amtlich den Vornamen Annelies in Anna"
und den Nachnamen von Hilf in Waloszek", weil meine Schwiegermutter den
Mädchennamen Wallossek trug. In einer bei uns vorhandenen polnischen Geburtsurkunde
heißt es also: Anna Waloszek, Vor- und Zuname des Vaters Wilhelm Hill (der Schwiegervater
fiel als Soldat in Russland und so konnte man seinen Vor- und Zunamen nicht mehr
polonisieren), Vor- und Geburtsname der Mutter Marta Olga Waloszek. Somit wäre also meine
Ehefrau als uneheliches Kind geboren.
Über manche
Ereignisse haben wir damals viel gelacht. So bekam mein Cousin mit Vornamen Heinz eine
Vorladung zur Behörde, wo er seinen Vornamen ändern sollte. Er sagte prompt: Dann
ändert meinen Vornamen in donny". Die Beamten fanden das nicht zum lachen und
änderten einfach den Vornamen von Heinz in Henryk". Es kommt aber noch
schöner.
1958 wurde unser
Sohn geboren. Es war wie damals üblich eine Hausgeburt und die Hebamme fragte uns, wie
der Sohn nun heißen solle. Meine Frau und ich antworteten Wolfgang". Darauf
meinte die Hebamme, dass wir mit diesem Vornamen Probleme beim Standesamt bekämen. Wir
einigten uns dann auf den Vornamen Manfred", die Hebamme schüttelte auch hier
mit dem Kopf.
Am
darauffolgenden Tag marschierte ich zum Standesamt und musste hier im Vorzimmer warten.
Als die Sekretärin für kurze Zeit den Raum verließ, sah ich auf dem Schreibtisch ein
rotes Büchlein liegen mit dem Titel: Amtliches Verzeichnis der in der Volksrepublik
Polen angewandten Vornamen". Ich schlug dieses Buch auf und mich traf fast der
Schlag. Da stand doch hinter dem Vornamen Adam an zweiter oder dritter Stelle der Vorname
Adolf. Ich blätterte weiter, Wolfgang stand nicht darin aber der Manfred. Das stärkte
mein Rückgrad. Ich legte das Buch wieder auf den Schreibtisch zurück und wartete. Als
ich dann das Zimmer des Standesbeamten betrat, ein Herr Henryk Glinka, wurde ich sehr
höflich begrüßt. Seine Frage nach dem gewünschten Vornamen beantwortete ich mit
Wolfgang". Herr Glinka lehnte diesen Vornamen ab und sagte, dieser wäre eine
Erfindung von Hitler und somit in Polen nicht erlaubt. Darauf sagte ich: Ich dachte immer,
Mozart hätte vor Hitler gelebt. Schweigen. Aber der mir zugeworfene Blick hätte mich auf
der Stelle töten können. Dann äußerte ich meinen Wunsch nach dem Vornamen Manfred.
Nach einigem hin und her sagte Herr Glinka zu mir, ich solle mich auf das Stadtamt in die
Abteilung für Inneres begeben und dort meinen Wunsch vortragen. Zu dieser Zeit kam die
Abteilung für Inneres der Parteizentrale gleich. |