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Tag der Oberschlesier 2000

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Eröffung der Hauptkundgebung durch die stellvertretende Bundesvorsitzende Christine Czaja

Am 30.9/1.10.2000 fand in Essen der Tag der Oberschlesier, der in diesem Jahr unter dem Leitwort stand „Zukunft braucht Erinnerung - Mein Herz für Ober­schlesien", statt. Tausende Oberschlesier, aus der Heimat, aus Mitteldeutschland und aus dem Westen Deutschlands gaben ihr Bekenntnis zur Heimat ab.  Brücken­funktion der Oberschlesier. Der Blick reichte nicht nur in die Vergangenheit zurück, sondern die jüngere und mittlere Generation prägte diesmal den Tag der Oberschlesier und diese Menschen rich­ten ihren Blick in die Zukunft.

Als Oberschlesier wollen sie den Weg dieses Landes begleiten in ein vereintes Europa ohne Grenzen. Hier zeigt sich die Brücken­funktion der Oberschlesier. Die verbindenden Kontakte in die Heimat und nach Deutschland werden immer wichtiger. Und auch die Polen werden sich verstärkt vom Nationalstaat alter Prägung verabschieden müssen. Im gemeinsamen Haus Europa geht es um Zusammenarbeit aller Menschen auf diesem Kontinent. Diese Zusammenarbeit kann aber nur gedeihen, wenn Wahrheit und Gerechtigkeit zu Leitsätzen erhoben werden und die Identifikation mit dem eigenen Volkstum möglich ist. Die Politik sollte diesen Weg unterstützend begleiten und dafür auch den finanziellen Rahmen bereitstellen.


Die Hauptkundgebung wurde mit der Begrüßung durch Christine Czaja, stellv. Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier, eröffnet. Nach der traditionellen Totenehrung und den Grußworten sprach Jochen Dieckmann, Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen, zu den Oberschlesiern. Er sagte: „Der Ministerpräsident des Landes NordrheinWestfalen, Herr Wolfgang Clement, Ihr Schirmherr, lässt Ihnen durch mich, seinen Justizminister, die besten Grüße zum 27. Bundestreffen der Landsmannschaft der Oberschlesier übermitteln.Es ist mir ein Anliegen, an diesem Tag Ihres 27. Bundestreffens für die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen feststellen zu können, dass die Landesregierung die Leistungen der Vertriebenen, insbesondere der Oberschlesier, anerkennt und würdigt. Dass wir heute in einem freiheitlich sozialen Rechtsstaat mit einer erfolgrei­chen Wirtschaft leben, ist auch ein Verdienst der hier lebenden Oberschlesier." Weiter erklärte der Minister: „Das Land Nordrhein­Westfalen stellt im Rahmen der institutionellen Förderung der Kulturarbeit nach § 96 BVFG über 3,5 Millionen DM jährlich zur Sicherung der Existenz von kulturellen Einrichtungen zur Verfügung. Projekte, die der Völkerverständigung und der grenzüberschreitenden Kulturarbeit dienen, werden auch in diesem Haushaltsjahr gefördert.Ich möchte Sie heute dazu ermutigen, auf dem Weg der Völkerverständigung mit Ihrer Arbeit fortzufahren und immer wieder neue Lösungsansätze in der Zusammenarbeit zu suchen. Dabei ist mir klar, dass Versöhnung nicht Verdrängung der Vergangenheit heißt."



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Nach der Rede des Ministers sprach der Sprecher und Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier, Klaus Plaszczek zum Tag der Oberschlesier. Plasczczek führte u. a. aus: Dieser Tag der Oberschlesier steht unter dem Leitwort: Zukunft braucht Erinnerung - Mein Herz für Oberschlesien. Erinnerungen wurden in der jüngsten Vergangenheit häufig bemüht, um Gegenwärtiges verständlich zu machen. Denken wir an die Charta der Heimatvertriebenen, die vor 50 Jahren ausgerufen wurde und heute immer noch aktuell ist.

Als Oberschlesier erinnern wir uns an die vielfältigen Beziehungen zwischen unserem Patenland NordrheinWestfalen, der Landsmannschaft der Oberschlesier und Oberschlesien schlechthin. Erinnerung ist keine nostalgische Reminiszenz an die Vergangenheit, sie ist vielmehr eine Rückbesinnung, die - richtig angewendet für die Zukunft von großer Bedeutung sein kann. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement hat am 3. März dieses Jahres beim Besuch des Landesmuseums in Ratingen-Hösel an die Patenschaftsurkunde von 1964 erinnert, in der es heißt: „Die Patenschaft soll zugleich zur weiteren Vertiefung der engen und vielfältigen Beziehungen beitragen, die zwischen Nordrhein-Westfalen und Oberschlesien seit über 100 Jahren bestehen. Die Landesregierung unterstützt auch die Aufgabe der Oberschlesier, ihr kulturelles Erbe zu wahren, und fördert ihre Bemühungen, Brücke zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk zu sein....Ministerpräsident Wolfgang Clement hat mehrere Gemeinsamkeiten hervorgehoben und sprach sich deshalb dafür aus, dass das Oberschlesische Landesmuseum hier in Nordrhein-Westfalen den Bestand des Museums in Ratingen-Hösel garantiert. Ihm, aber auch den vielen anderen Menschen, die im Frühjahr dieses Jahres für dieses Museum kämpften, sei an dieser Stelle besonders gedankt. Es war eine lange nicht mehr dargewesene Solidarität über Parteigrenzen hinweg." Der Bundesvorsitzende sagte ferner: „An dieser Stelle darf allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass das Patenland bisher eine Unterstützung für den Tag der Oberschlesier versagte. Dies wird in anderen Bundesländern anders gehandhabt. Auch die Förderung der kulturellen Arbeit der Landsmannschaft der Oberschlesier muss vom Patenland wieder ernster ge­nommen werden und darf keine weiteren Kürzungen erfahren wie in den letzten zehn Jahren. Sie muss mindestens das Niveau von 1990 kurzfristig erreichen. Sonst sind alle gutklingenden Worte der letzten Monate doch wieder nur Schall und Rauch.

Erinnern möchte ich aber auch daran, dass die Landsmannschaft der Oberschlesier durch ihr soziales Engagement ein hohes Maß an Integration der Aussiedler ermöglicht hat. Der Bundeskanzler sagte hierzu am 3. September in Berlin: ,Und da, wo die Integration der Vertriebenen in eine neue Umgebung nicht gelingt, ist dies Quell dauerhafter politischer, sozialer und wirtschaftlicher Instabilität`. Durch den Einsatz ehrenamtlicher Mitglieder ist die Eingliederung gelungen. Der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Nordrhein­Westfalen sind immense Kosten erspart geblieben, und die vom Bundeskanzler angesprochene Instabilität ist verhindert worden. Für uns war und ist diese Betreuung eine Selbstverständlichkeit. Muss es für die Bundes- und Landesregierung nicht ebenfalls selbstverständlich sein, den Betroffenen zu ermöglichen, die kulturelle Identität zu finden und fortzuführen? Hierzu bedarf es jedoch Geld, das wir nicht in der Lage sind aufzubringen. Im Übrigen ist das eine Verpflichtung aller Deutschen, denen zu helfen, die mehr als nur den Krieg verloren haben. Und wer soll den in Oberschlesien Verbliebenen das kulturelle Erbe vermitteln? Ist hier nicht eine Verpflichtung - wie bereits angesprochen - ebenfalls selbstverständlich? Diese Aufgabe kann und muss von den Oberschlesiern selbst übernommen werden, denn nur sie wissen, wie es in Oberschlesien war Dr. Naumann, seines Zeichens Kulturbeauftragter des Bundeskanzlers für die Bundesrepublik Deutschland, hat für die Kulturarbeit der Vertriebenen neue Konzepte entwickelt. Er hat sich jedoch nicht die Zeit genommen, mit den Betroffenen darüber zu reden. Europa wurde von ihm in Kulturregionen eingeteilt, und die Vertriebenen fanden sich dort wieder. Schlesische Gurken werden ganz sicher gern in Oberschlesien gegessen. Mit der schlesischen Mundart allerdings kann ein Oberschlesier wenig anfangen, weil er sie „nicht versteht."

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Plaszczek betonte ferner, "während Herr Naumann von der Notwendigkeit der Zentralisierung der Kuiturarbeit in den Vertriebenenverbänden spricht, findet der Bundeskanzler, dass die dezentralen Institutionen mit ihrer Pflege des kulturellen Erbes und ihrem Streben nach internationaler Aussöhnung und Verständigung dieses hervorragend zum Ausdruck bringen. Meine Damen und Herren, wem soll man nun glauben? Dem Bundeskanzler, der in der Öffentlichkeit spricht, oder seinem Beauftragten, der die Macht über die Verteilung der Mittel hat und keinen Widerspruch duldet. Nicht anders verhält es sich bei der Frage des Schulunterrichts in Oberschlesien. Ist das nicht eine Aufgabe des deutschen Staates? Man glaubt es jedoch kaum, zehn Jahre nach der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Vertrages ist der flächendeckende und bedarfsorientierte Deutschunterricht immer noch nicht gegeben. Im Gegenteil, die Anzahl der Deutschlehrer wird verringert. Welch ein Gegensatz zu den Worten des Bundeskanzlers in Berlin! Ich zitiere "Die Wahrung und Entwicklung des kulturellen Erbes, das aus einer fast 900 Jahre zurückreichenden Tradition deutscher Siedlungs- und Kulturgeschichte im östlichen Mitteleuropa erwachsen ist, bleibt keineswegs den Vertriebenen und ihren Verbänden allein überlassen."

Plaszczek fuhr dann sehr ernst fort: "Der bereitz zitierte deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag wird am 17. Juni 2001 wahrscheinlich verlängert. Die Ostdeutschen Landsmannschaften haben Parteien und Bundesregierung mehrfach darauf hingewiesen und gebeten, Verbesserungen im Vertrag auszuhandeln. Immer wieder aber kommt der Hinweis, man möge doch die Empfindlichkeiten der Polen beachten, sie könnten so schnell verletzt werden. Meine Damen und Herren, wer spricht über unsere Empfindlichkeiten?  Bei den Besuchen, die wir als Vertreter der ostdeutschen Landsmannschaften in Warschau gemacht haben, konnten wir feststellen, dass die Gesprächsbereitschaft in Polen wächst. Waren es zuerst die Intellektuellen und besonders in­teressierte Kreise, die sich der Nach­kriegszeit Polens annahmen, so stellt man zunehmend fest, dass auch die Politiker diesem Trend nacheifern und es zunehmend als normal empfinden mit uns zu sprechen." Der Bundesvorsitzende der Landsmannschaft der Oberschlesier rief zum Schluss seiner Rede aus:„ Schicksale von Menschen verlangen hohes politisches Engagement und Können. Sie dürfen nicht zum Spielball der jeweils Regierenden werden. Wir dürfen erwarten, dass die Belange der Vertriebenen und der Menschen, die in der Heimat leben, mit allem Ernst zukunftsorientiert gelöst werden, denn nur dann kann die immer wieder beschworene Brücke nach Osten mit Erfolg gebaut werden und einen sicheren Stand haben. Lassen sie uns, wie in der Vergangenheit, den Zielen folgen, die wir als richtig erkannt haben. Das Recht auf die Heimat in einem geeinten Europa sowie gleiche Rechte für die Menschen, die in unserer Heimat leben, sind Mindestvoraussetzungen, um einen tragfähigen Ost-­West-Ausgleich mit Zukunft zu erreichen."

Das Wort der Jugend sprach der Bundesvorsitzende der Oberschlesischen Jugend, Artur Panczyk, er sagte: „Seit 1951, also fast 50 Jahre, begleitet die Oberschlesische Jugend die landsmannschaftliche Arbeit auf allen Ebenen. Sie hat sich stets zur Heimat Oberschlesien bekannt und dies jeweils, nicht nur beim Tag der Oberschlesier, bekundet. Aufgabe der Oberschlesischen Jugend früherer Jahre war stets die Jugend Oberschlesiens über Kultur und Geschichte der Heimat zu informieren und den Gedanken an die Wiedervereinigung mit Oberschlesien wach zu halten. Neben Sitte und Brauchtum war die landsmannschaftliche, jugendspezifische, gesellschafts- und sozialpolitische Jugendarbeit das wichtigste Thema der Verbandsarbeit. Seit der neuen Ostpolitik der 70er Jahre wandelte sich das Bild. Spätaussiedler kamen zu uns und die jugendlichen Aussiedler mussten integriert werden. Dazu fanden Eingliederungsseminare der OJS über Jahre hinaus statt. Wir, die Oberschlesische Jugend können stolzdarauf sein, unseren jugendlichen Aussiedlern den Weg zur Eingliederung geebnet und begleitet zu haben Wir haben Kontakte mit Jugendlichen und Verantwortlichen in der Heimat geknüpft, jährlich Seminare und Begegnungen in Oberschlesien und hier in Deutschland durchgeführt, neben offiziellen Maßnahmen sind auch private Verbindungen und Besuche hervorgegangen. Bei allen Maßnahmen war es aber wichtig, dass die staatlichen Stellen die finanzielle Unterstützung gegeben haben, wofür wir uns bedanken. Leider sieht das heute (unter der jetzigen Regierung) anders aus. Alle Unterstützungen sind gestrichen und von unseren finanziellen Mitteln, die der Jugendarbeit zur Verfügung stehen, können wir das nicht mehr durchführen Die OSJ bittet alle Verantwortlichen der Bundesregierung um die finanzielle Unterstützung der Jugendarbeit, für die Völkerverständigung und Versöhnung im europäischen Geiste. Und unsere Landsleute fordern wir auf nicht nachzulassen, damit die OSJ weiterhin ihrer Aufgabe gerecht werden kann. Zukunft braucht Erinnerung. Zukunft braucht aber auch neue Visionen im Zusammenleben von deutschen und polnischen Jugendlichen. Zukunft braucht aber auch staatliche Förderung. In diesem Sinne

- Mein Herz für Oberschlesien - "Glück auf." KG  

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Tag der Oberschlesier 2000Bundesvorsitzender Klaus Plaszczek.jpg (29405 Byte)
Sprecher und Bundesvorsitzender Klaus Plaszczek

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Eröffnungsrede durch die Bundesfrauenvorsitzende Leni Schulz bei der
"Stunde der Frauen"

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