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Wiedersehen mit unserer Heimatstadt Hindenburg OS
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Wenn man nach einigen Jahren Hindenburg wieder besucht und mit offenen Augen durch die Straßen geht, sieht man die Veränderungen.

Ich wohnte über 40 Jahre im Ortsteil Hindenburg-Süd, deshalb habe ich besonders die Häuser und Straßen in der Nähe des Stadions unter die Lupe genommen. Geht man auf der Kampfbahnallee auf der linken Seite in Richtung Stadion, gibt es keine neuen Gebäude. Die ehemalige Schupo-Kaserne wurde zum Teil zu einem kleinen Hotel umfunktioniert. In weiteren Gebäuden wurde die Technische Hochschule Abteilung Organisation und Verwaltung aus Gleiwitz untergebracht. Auf der rechten Seite der Kampfbahnallee hat sich nicht viel verändert. Das Haus Nr. 43 wurde vor einigen Jahren abgerissen. Der lange Wohnblock vor der Kantstraße bis zum Haus Nr. 63 wurde saniert.Geht man auf der Pfarrstraße von der St.-Joseph-Kirche in Richtung Tunnel, sieht man einen recht vernachlässigten Wohnblock.

Der Hof, auf dem früher die Kinder in Sandkästen spielten, bietet nicht gerade einen schönen Anblick. Die Eingrenzung der Sandkästen aus Beton ist zerschlagen. Die Mehlbeersträucher sind verschwunden. Die Rückseiten der gegenüberliegenden Häuser der Kantstr. Nr. 2 bis 10 bieten keinen netten Anblick. Von den Balkonen der Häuser Kantstr. 2-4 ist der Putz schon längst heruntergefallen.

Vom Wohnblock Kantstr. 3-7 fehlt der Putz in Flächen von ca. 2 qm. Einst waren vor und hinter den Häusern gepflegte Hausgärten. Später wurden an dieser Stelle Grünanlagen angelegt, die Reste davon sind heute noch zu sehen.

Überschreiten wir die Schopenhauer Straße und bleiben weiter auf der Kantstraße, vermisst man die Bäume, nur noch die Baumstümpfe sind zu sehen.

Geht man die Kantstraße zu Ende kommt man zur Solgerstraße. Die rechte Seite fängt mit dem Musterblock an. Die Mieter dieses Wohnblocks haben zum Teil ihre Fensterrahmen selbst angestrichen. Die weiteren Wohnhäuser, welche ehemals der Kohlgrube Makoschau gehörten, sehen noch gut aus. Hingegen die linke Seite, die sogenannten Invaliden-Häuser, sehen schrecklich aus. Die Häuser wurden 1937/38 gebaut.

Die Mieter der Häuser haben feuchte Wohnungen, da Regenwasser durch die nackten Mauern dringt. In den Wohnungen gibt es überall noch Kohlenöfen. Die Zufahrt zu den Häusern verwandelt sich bei Regen zu Tümpeln. Die Wände der Hausflure, wie auch der Haustüren, wurden das letzte Mal vor ca. 25 Jahren gestrichen.

Die von mir erwähnten Häuser gehören der Städtischen Wohnungsverwaltung, welche die Häuser der Stadtbaubank nach 1945übcrnommen hat. Diese Verwaltung hatte in den 60er Jahren eine Bauabteilung von ca. 100 Handwerkern, welche die Häuser instand hielten. Bauarbeiten jeglicher Art wurden durch diese Handwerker durchgeführt. Die Verwaltung besaß eine eigene Tischlerwerkstatt und einige Magazine in denen Baumaterial zu Verfügung stand. Größere Sanierungen an Gebäuden wurden Baufirmen in Auftrag gegeben. Selbst die Mieter, welche nach 1945 nach Hindenburg kamen, sind mit diesem Zustand unzufrieden.

Die Sauberkeit in den Häusern lässt viel zu wünschen übrig. Die alten Mieter haben die Treppenhäuser selbst gereinigt. In den 60er Jahren, ging man auf Wunsch der Mieter, welche nach Oberschlesien zugewandert waren, dazu über, die Hausflure von Hausmeistern reinigen zu lassen. Das Ergebnis, die Hausmeister putzten zwar, aber es war nur dort sauber, wo die alten Mieter ihre Angewohnheit beibehielten, weiterhin zu putzen. Geht man die Straße am Josefsweg, in Richtung Bahnübergang, der Bahnlinie Hindenburg-Ost-Gleiwitz, bietet sich ein Bild der Zerstörung. Das Bahnwärterhäuschen demoliert, die Bahngleise entfernt. Von wem? Fragen sich die Leute' Links und rechts des Bahnübergangs ist eine Müllkippe entstanden. Auch das Verbotsschild, dass man keinen Müll da abladen sollte hilft nicht. Linker Seite steht das Bahnhäuschen des Bahnwärters Englisch. Mit einer Tochter der Familie bin ich in die Waldschule gegangen. Wo die Familie wohl sein kann? Uber den Küsterweg gehts zum Josefsfriedhof. Die Villen rechts und links der Straße haben neue Besitzer, welche aber die Häuser renovieren. Die Vorgärten sind gepflegt. Ein Garten gefiel mir besonders gut. Bäume und Sträucher, wurden besonders nett geschnitten, so wie man es in herrschaftlichen Parks sehen kann. Rechts in einer Villa wohnte die Freundin meiner Schwester Salome Wieczorek, gegenüber meine Schulfreundin Marlis Kinner. Meine Gedanken führen mich in die Geit, da wir dort gespielt haben. Links biegt man zum Josefsfriedhof ab. An der Ecke rechts steht noch das Haus meiner Schulfreundin Helga Kassel. Im Garten arbeiten eine Frau und ein Mann. Ich lausche dem Gespräch, vielleicht höre ich mir bekannte „Töne". Nein es wird hochpolnisch gesprochen. In der Siedlung sollen noch einige Oberschlesier wohnen.

Ich gehe nun zum Friedhof. Wie ist der groß geworden. Viele Gräber sind mir bekannt. Es kamen neue Namen dazu. Die meisten Gräber sind gepflegt. Vor Allerheiligen werden die Grabsteine gewaschen und das Unkraut von den Wegen beseitigt. Ich gehe vorbei am Grab des langjährigen Pfarrers von St. Josef Prälat Johannes Dolla zu den Gräbern meiner Eltern, die im hinteren Teil des Friedhofes liegen. Da es jetzt große Auswahl an Blumen gibt, wähle ich im Blumengeschäft an der Josefs-Kirche zwei schöne Topfblumen. Dachte, die halten länger als Schnittblumen. Noch auf jedem Grab ein Lämpchen angezündet, ein Gebet in stiller Erinnerung. Am nächsten Tag waren Blumen und Lämpchen weg. Ein Dieb hat wohl gleich nach mir beides mitgenommen (auch auf unseren Friedhöfen wird gestohlen). Besucher des Friedhofs gaben mir einige Tipps, wie man den Diebstahl vermeiden könnte. Trockene Gebinde ankleben, Kränze anbinden, frische Blumen mit Wachs beträufeln, so eigenen sie sich nicht zum Weiterverkauf.

 

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Nun über Hindenburg heute allgemein

Die ehemaligen Arbeiterhotels, für Berg- und Werkarbeiter, welche aus den östlichen Wojewodschaften nach Oberschlesien kamen, um da Arbeit zu finden, stehen alle leer. Verwüstet, ohne Fensterscheiben, alles was nicht niet- und nagelfest war wurde zum Schrottplatz gefahren und zu Geld ge­macht. Oder sollte ich besser sagen, auch wenn es niet- und nagelfest war. Die Häuser für die man jetzt keine Ver­wendung hat, stehen als Ruinen da.

Die Straßenbahnen in einem recht erbärmlichen Zustand, rumpeln auf ihren Schienen in Richtung Gleiwitz, Beuthen, Ruda und Guido. Die Aus­stattung der meist überfüllten Wag­gons ist nicht gerade komfortabel. Für ältere Leute ist das Einsteigen recht beschwerlich. Die Stufen der Straßen­bahn recht hoch. Kinder krabbeln auf allen Vieren hinein.

Das Gleiche gilt für Busse. Außer den Bussen der staatlichen Betriebe fahren Privat-Busse. Diese sind in ei­nem fürchterlichen Zustand. Es sind meist von Betrieben gekaufte Busse, welche früher die Belegschaft zur Ar­beitsstelle brachten. Die Türen schließen kaum, die Innenverkleidung ist zerschlissen, die Sitze schmuddelig. In Hindenburg gibt es jetzt mehrere Hotels, mit gutem und schlechterem Standard. Die Preise sind aber recht hoch. Das ehemalige Hotel im Admiralspalast ist zu einem Touristenhotel degradiert worden. Schon allein der Eingang ist nicht gerade einladend. Der Aufzug des 100 Jahre alten Hotels ist für Gäste schon seit Jahren außer Betrieb. Der ehemals schöne Dachgarten wird schon lange nicht mehr genutzt. Die Fassade, schwarz vor Industriestaub, wurde wohl vor langer Zeit erneuert. Undichte Holzfenster zieren nicht gerade das Hotel. Im ehemaligen, eleganten Restaurant hat die Schlesische Bank ihre Zweigstelle eröffnet. Die schönen Fensterscheiben mit den Wappen schlesischer Kurorte, sind oh' Wunder, in deutsch noch vorhanden. Da die Zeiten, der Wut auf alles Deutsche wohl vorbei sind, kann man nur hoffen, dass es so bleibt.

Das Admi-Hotel war nach dem Krieg unter städtischer Verwaltung. Viele Jahre später wechselten ständig die Besitzer. Das Restaurant war oft geschlossen. 1945 übernahmen die Polen das Hotel in Hindenburg unbeschädigt.

Vom Peter-Paul-Platz in Richtung Gleiwitz, wurde neuer Straßenbelag gelegt. Die Gehwege bekamen neues Pflaster. Auf einem längeren Abschnitt wurde die Geschwindigkeit auf 10 km/h begrenzt. Die Reisebusse aus Deutschland halten auf dem Reitzensteinplatz. Das ehemalige Lyzeum, ein Backsteinbau ist in gutem Zustand.

Alle Häuser rund um den Platz wurden renoviert. Auf diesem Platz stand einmal das Denkmal des Rattenfängers von Hameln. Wo ist es heute? Irgend wann wollten die Hindenburger es aus dem Kulturpark Königshütte-Kattowitz, wo es stand, zurück haben. Vielleicht weiß jemand etwas über den Verbleib dieses Denkmals. Ein Eckhaus fehlt auf dem Reitzensteinplatz, da es in den 60er Jahren bei Renovierungsarbeiten eingestürzt ist.

Auf den Feldern des ehemaligen Dominiums Neuhof-Mathesdorf, entstand ein großes Einkaufszentrum mit vielen Geschäften: Real, Media Markt, Praktiker Markt, Adler Markt, Deichmann Schuhe, Piemke, ein Lampen und Tapetengeschäft u.a.fanden ihren Platz unter einem Dach. Ein Cafe, Burger King, ein Wurststand, eine Konditorei sorgen für das Wohl der Kunden. Vom Busbahnhof gibt es einen kostenlosen Bus, der die Kunden zum ca. 3,5 km entfernten Real hin- und zurückbringt. Große Einkaufszentren gibt es jetzt in allen Großstädten. Tesco, Hit, u. a. Für die Menschen mit niedrigen Renten, muss ein Besuch in solchen Einkaufszentren recht deprimierend sein.

L. Kozielski

 

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vom 06.Dezember 2000
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