| Nun über Hindenburg heute allgemein
Die ehemaligen
Arbeiterhotels, für Berg- und Werkarbeiter, welche aus den östlichen Wojewodschaften
nach Oberschlesien kamen, um da Arbeit zu finden, stehen alle leer. Verwüstet, ohne
Fensterscheiben, alles was nicht niet- und nagelfest war wurde zum Schrottplatz gefahren
und zu Geld gemacht. Oder sollte ich besser sagen, auch wenn es niet- und nagelfest war.
Die Häuser für die man jetzt keine Verwendung hat, stehen als Ruinen da.
Die
Straßenbahnen in einem recht erbärmlichen Zustand, rumpeln auf ihren Schienen in
Richtung Gleiwitz, Beuthen, Ruda und Guido. Die Ausstattung der meist überfüllten
Waggons ist nicht gerade komfortabel. Für ältere Leute ist das Einsteigen recht
beschwerlich. Die Stufen der Straßenbahn recht hoch. Kinder krabbeln auf allen Vieren
hinein.
Das Gleiche gilt
für Busse. Außer den Bussen der staatlichen Betriebe fahren Privat-Busse. Diese sind in
einem fürchterlichen Zustand. Es sind meist von Betrieben gekaufte Busse, welche
früher die Belegschaft zur Arbeitsstelle brachten. Die Türen schließen kaum, die
Innenverkleidung ist zerschlissen, die Sitze schmuddelig. In Hindenburg gibt es jetzt
mehrere Hotels, mit gutem und schlechterem Standard. Die Preise sind aber recht hoch. Das
ehemalige Hotel im Admiralspalast ist zu einem Touristenhotel degradiert worden. Schon
allein der Eingang ist nicht gerade einladend. Der Aufzug des 100 Jahre alten Hotels ist
für Gäste schon seit Jahren außer Betrieb. Der ehemals schöne Dachgarten wird schon
lange nicht mehr genutzt. Die Fassade, schwarz vor Industriestaub, wurde wohl vor langer
Zeit erneuert. Undichte Holzfenster zieren nicht gerade das Hotel. Im ehemaligen,
eleganten Restaurant hat die Schlesische Bank ihre Zweigstelle eröffnet. Die schönen
Fensterscheiben mit den Wappen schlesischer Kurorte, sind oh' Wunder, in deutsch noch
vorhanden. Da die Zeiten, der Wut auf alles Deutsche wohl vorbei sind, kann man nur
hoffen, dass es so bleibt.
Das Admi-Hotel
war nach dem Krieg unter städtischer Verwaltung. Viele Jahre später wechselten ständig
die Besitzer. Das Restaurant war oft geschlossen. 1945 übernahmen die Polen das Hotel in
Hindenburg unbeschädigt.
Vom
Peter-Paul-Platz in Richtung Gleiwitz, wurde neuer Straßenbelag gelegt. Die Gehwege
bekamen neues Pflaster. Auf einem längeren Abschnitt wurde die Geschwindigkeit auf 10
km/h begrenzt. Die Reisebusse aus Deutschland halten auf dem Reitzensteinplatz. Das
ehemalige Lyzeum, ein Backsteinbau ist in gutem Zustand.
Alle Häuser
rund um den Platz wurden renoviert. Auf diesem Platz stand einmal das Denkmal des
Rattenfängers von Hameln. Wo ist es heute? Irgend wann wollten die Hindenburger es aus
dem Kulturpark Königshütte-Kattowitz, wo es stand, zurück haben. Vielleicht weiß
jemand etwas über den Verbleib dieses Denkmals. Ein Eckhaus fehlt auf dem
Reitzensteinplatz, da es in den 60er Jahren bei Renovierungsarbeiten eingestürzt ist.
Auf den Feldern
des ehemaligen Dominiums Neuhof-Mathesdorf, entstand ein großes Einkaufszentrum mit
vielen Geschäften: Real, Media Markt, Praktiker Markt, Adler Markt, Deichmann Schuhe,
Piemke, ein Lampen und Tapetengeschäft u.a.fanden ihren Platz unter einem Dach. Ein Cafe,
Burger King, ein Wurststand, eine Konditorei sorgen für das Wohl der Kunden. Vom
Busbahnhof gibt es einen kostenlosen Bus, der die Kunden zum ca. 3,5 km entfernten Real
hin- und zurückbringt. Große Einkaufszentren gibt es jetzt in allen Großstädten.
Tesco, Hit, u. a. Für die Menschen mit niedrigen Renten, muss ein Besuch in solchen
Einkaufszentren recht deprimierend sein.
L. Kozielski
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