| Seite 1 Der jüdische Friedhof in Hindenburg Von Klaus Fromm Bereits vor längerer Zeit berichteten wir in einer kurzen Notiz über den jüdischen Friedhof in Hindenburg. Im Frühjahr dieses Jahres war ich zu Besuch in meiner Heimatstadt und dort traf ich mich u. a. auch mit Herrn Dariusz Walerjanski, dem Vorsitzenden des Komitees zur Erhaltung des jüdischen Friedhofs. Bei einem gemeinsamen Besuch auf dem Friedhof übergab mir Herr Walerjanski etliche Unterlagen über die Geschichte dieses Friedhofs und über die jüdische Gemeinde in Hindenburg in polnischer Sprache. Diese habe ich übersetzt und so will ich mich heute ausführlich anhand der mir übergebenen Unterlagen mit der Geschichte des jüdischen Friedhofs in unserer Heimatstadt befassen, in einer Jahreszeit, da die Besuche auf den Friedhöfen in höherem Maße anstehen und wir uns den Feiertagen Allerheiligen, Volkstrauertag und Totensonntag nähern. Die Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof an der Friedhofstraße in Hindenburg sind steinerne Zeugen eines Jahrhunderts Kulturgeschichte von deutschen Juden und jüdischen Deutschen, die sich um unsere Heimatstadt verdient gemacht haben. Herausragende Persönlichkeiten neben einfachen Bürgern fanden hier zwischen 1872 und 1954 ihre letzte Ruhestätte. Als bewegendes Zeichen kann es verstanden werden, dass dieser Friedhof die Zeiten des Dritten Reiches überstanden hat. Die ersten Erwähnungen vom Aufenthalt von Juden in Hindenburg (damals noch Zabrze) stammen aus dem Jahr 1781. Der erste Jude, der 1825 seinen ständigen Wohnsitz in Hindenburg nahm, war Moses Glaser. Mit der Zeit gewann die Familie Glaser gesellschaftliche Bedeutung und Achtung, dank ihres Engagements für die Probleme des Dorfes. Um 1840 gründeten die Hindenburger Juden eine jüdische Gemeinde als Filiale der Beuthener Gemeinde. Kurz darauf, im Jahr 1871, fassten 48 der reichsten Juden der Filialgemeinde den Beschluss, eine selbständige neue Glaubensgemeinde zu gründen, die dann 1872 ihre Tätigkeit aufnahm. Zum ersten Rabbiner dieser Gemeinde wurde im Jahr 1895 der 24-jährige Dr. Saul Kaatz gewählt, der dieses Amt bis 1940 oder 1941 ausübte. Im Jahr 1901 zählte die jüdische Gemeinde über 1200 Gläubige. Fast gleichzeitig mit der Konstituierung der Gemeinde begann man im Jahr 1872 mit der Gründung eines Friedhofs. Das war notwendig, denn die bisherige Bestattung der Toten war mit dem mühsamen Transport der Leichen nach Beuthen oder Gleiwitz verbunden. Die Parzelle für diesen notwendigen Friedhof schenkte der jüdischen Gemeinde der damalige Eigentümer eines Teiles des Ortes Graf Guido Henckel von Donnersmarck. Den Friedhof können wir auf 13 Felder aufteilen. Die im ältesten Teil des Friedhofs (Feld B) vorhandenen Grabsteine knüpfen mit ihrer Form an die traditionelle Form eines jüdischen Grabsteines an. Das ist eine senkrecht aufgestellte viereckige Platte, abgeschlossen mit einem Bogen oder Dreieck, verziert mit einem piktographischen Flachrelief mit einem Epigraph in hebräischer Sprache. Die jüdischen Friedhöfe wurden immer in einer Mindestentfernung von 50 Ellen vom am meist entfernten Haus vor dem Ort oder der Siedlung angelegt, als unreiner Ort" Übereinstimmend mit der im Judaismus allgemein verbindlichen Regel sollten die Verstorbenen in der Reihenfolge beerdigt werden, in welcher sie verstarben, und die Grabsteine sollten mit ihren Aufschriften in östlicher Richtung ausgerichtet sein, also in Richtung Jerusalem. Der jüdische Friedhof in der Friedhofstraße ist im nordöstlichen Ortsteil gelegen, der früher Klein Zabrze" oder noch früher Sandkolonie" hieß. Auf dem Feld B befinden sich die zwei ältesten Grabsteine, und zwar: von MORITZ ADLER aus dem Jahr 1872 und von JOHANNA FRIEDMAN, ebenfalls aus dem Jahr 1872. An einigen Grabsteinen kann man noch unten am Sockel die Signatur des Steinmetzes erkennen. Insgesamt 12 dieser Signaturen wurden festgestellt, unter anderem: Pick-Gleiwitz, L. RosenthalBeuthen OS und Kattowitz, Jaros-Hindenburg. Die für jüdische Friedhöfe so charakteristische Symbolik ist auf dem Hindenburger Friedhof sehr arm. Einzige Symbole auf den Grabsteinen sind: Davidsstern, Löwe, Schüssel und Krug, segnende Hände oder gebrochene Blumen. . |
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| Seite3 Plan des jüdischen Friedhofs in Hindenburg OS mit Lokalisierung der Bestattungsfelder
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