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Gemeinsam Vorurteile abbauen
Seminar für Germanistikstudenten
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Es gehört schon fast zur Tradition der Tätigkeit der Landsmannschaft Schlesien, zahlreiche Maßnahmen für Deutsch-Studenten der Fremdspra­chenkollegs aus Oberschlesien zu orga­nisieren, um die angehenden Deutsch­lehrer über die Geschichte und Kultur Deutschlands, über die historische ost­deutsche Kulturlandschaft Schlesien sowie über die Geschichte und den ge­genwärtigen Stand der deutschpolni­schen Beziehungen objektiv zu infor­mieren. Unbestritten gehört die Landsmannschaft Schlesien zu den landsmannschaftlichen

Einrichtungen, die diese Maßnahmen der Völker­verständigung als erste Einrichtung zu organisieren begann.
Knapp 30 Studenten, die später als Deutschlehrer in Schlesien tätig sein werden, nahmen zwischen dem 15. und 20. Oktober im Haus Schlesien (Kö­nigswinter) wiederum an einer solchen Maßnahme, die seitens der Bundesregierung finanziert wurde, teil. Begleitet wurden sie von Dozenten, die unter anderem an dem Fremdsprachenkolleg in Hindenburg und auch an der Schlesischen Universität in Kattowitz unterrichten.  Am ersten Seminartag erläuterte Damian Spielvogel die vielfältigen Aktivitäten der Landsmannschaft Schlesien in Bezug auf die grenzüberschreitende Kulturarbeit. Auch die Darstellung der Arbeit im Bereich der Völkerverständigung war in das Referat eingebunden. Am Beispiel des Zisterzienserordens und der darauffolgenden Besichtigung des ehemaligen Zisterzienserklosters in Heisterbach und des  Kölner Doms wurden von Karl Wehner, er hatte auch die gesamte Seminarleitung inne, die historischen Beziehungen zwischen dem Rheinland und Schlesien beleuchtet.

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Dr. Peter Mast stellte die schlesischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts Niekrawietz, Scholtis und Lange vor, die pragnant die gesamtdeutsche Kulturlandschaft kennzeichnen. Bei dieser Maßnahme setzte man sich auch mit Kreisau, dem schlesischen Ort des deutschen Widerstandes gegen das NS-Regime auseinander. Hier konnte in der Person von Heike Kirchhoff eine sachkundige Referentin gewonnen werden, die nicht nur speziell auf den Kreisauer Kreis einging, sondern allgemein das Problem des Widerstandes nach 1932 in Deutschland erörterte.

Im Anschluss an das Referat nahm man eine Besichtigung des Museums für Schlesische Landeskunde im Haus Schlesien vor, wobei die Gruppe persönlich vom Leiter der Einrichtung, Dr. Stephan Kaiser. begrüßt und in die Ausstellungsvorhaben eingeführt wurde.

Zum Abbau des leider noch immer in einigen Teilen der polnischen Gesellschaft gängigen Vorurteils gegen die Landsmannschaft Schlesien, dies wurde in der anschließenden Diskussion deutlich, trug der stellvertretende Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien, Peter Großpietsch bei, und zwar mit seinem Referat zum Thema „Die Einbindung der Vertriebenen in das deutsch-polnische Gespräch", in dem er dabei die wichtige Rolle der Landsmannschaft Schlesien beschrieb. Dass das deutsch-polnische Verhältnis nach wie vor mit vielen offenen Fragen belastet ist, zeigte Peter Großpietsch detailliert auf. Diese offenen Fragen können sehr oft durch menschliche Begegnungen gelöst werden. Es gibt jedoch auch rechtliche Probleme, die nur auf der offiziellen Ebene der bilateralen Beziehungen zwischen Berlin und Warschau geregelt werden können.

Damian Spielvogel in seiner Eigenschaft als Bundessprecher der Hindenburger zeigte in seinem Referat „Auf den Spuren der Vergangenheit. Hindenburger Denkmäler und Gedenktafeln bis 1945" die nicht mehr vorhandenen (infolge der sogenannten „Entdeutschung") zerstörten Denkmäler der Stadt Hindenburg auf. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit, um auf die Geschichte der Stadt Hindenburg hinzuweisen. Der Besuch des Bundesministeriums der Verteidigung in Bonn gehörte unbestritten zu einem der vielen Höhepunkte dieser Maßnahme. Besonders gut aufgenommen wurde der Vortrag von Jörg Quensell, der kompetent die Aufnahme Polens in die NATO, die Verteidigungsstrukturen der Bundesrepublik Deutschland sowie die derzeitigen aktuellen politischen Fragen in Europa erläuterte. Ebenfalls der Besuch des Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn stand auf dem Programm. Hier konnten die Teilnehmer sich über die gut dargestellte Nachkriegsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland informieren.

In der abschließenden Debatte der Seminarkritik unter der Leitung von Karl Wehner und Damian Spielvogel wurde insbesondere von den anwesenden Hochschulkräften, darunter dem Leiter des Fremdsprachenkollegs, Grzegorz Wlozlak, den Sprachwissenschaftlern Dr. Ewa Jurczyk, Dr. Marek Gladysz, Dr. Bza Kowol und Elwira Krieger zum Ausdruck gebracht, dass es eine gelungene und lehrreiche Maßnahme war.

Den Studenten wurde ermöglicht, neue Aspekte der deutsch-polnischen Nachbarschaft, der Geschichte Schlesiens und Hindenburgs sowie die Zukunftsperspektiven eines vorurteilsfreien Miteinanders im neuen Europa kennenzulernen.

Damian Spielvogel

 

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22. November 2000
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