Seite 1

Ein verdienstvoller Hindenburger


Es ist nie zu spät, einem verdienstvollen Hindenburger dank zu sagen. Unser Kurt Lissek, Leiter vom Münchner Heimatkreis Hindenburg, wurde am 24. 05. 90 Jahre alt. Aus diesem Anlass war eine Gruppe der LDO nach Freising gekommen, um diesen Ehrentag gemeinsam zu feiern.

Kurt Lissek stammte aus einer ehrenwerten Familie und wohnte in Hindenburg, Heinrichstraße 2. Nach Erreichen der mittleren Reife - Abgang vom Gymnasium aufgrund der wirtschaftlichen Lage (1929) - Beginn der Ausbildung als Industriekaufmann, dann in verschiedenen Betrieben (Oberschlesische Kohlenwerke, Redenhütte.) tätig.

lissek.jpg (3070 Byte)

   Seit 1937 in der Berufsberatung im Arbeitsamt Hindenburg bis zur Einberufung am 27. 08. 1939. Von der Schulzeit an war Lissek in der Jugendbewegung (Fahrtfinder, St. Georg. Quickborn ) aktiv.

1940 machte er den Frankreichfeldzug und 1941 den Einmarsch nach Russland mit. Am 18. 01. 45 heiratet er in Hindenburg seine Berufskollegin vom Arbeitsamt - Friederike Kudlolz. Am 30. 01. 1945 geriet er in russische Gefangenschaft.

Im Jahr 1948 entlassen in den Kreis Pfarrkirchen. 1951 beim Arbeitsamt Pfarrkirchen als Leiter der Berufsberatung, später nach Freising versetzt. Hier gründete er - aus Liebe zur alten Heimat-am 29. 02. 64 mit ca. 30 Leuten im Bahnhofsrestaurant Freising den Münchner Heimatkreis Hindenburg. Später kamen noch die Augsburger dazu.

Sein soziales Verhältnis ließ ihn auch neben seinem Beruf in sozialen Bereichen tätig sein. Im VDK und 20 Jahre lang Betreuer der ausländischen Praktikanten (Weihenstefan. Schlüter) der Carl-Duisburg-Gesellschaft.

In den vielen Jahren seiner ehrenamtlichen Tätigkeit und seines nie erlahmenden Idealismus in unseren Heimatkreis München-Augsburg hat sich Kurt Lissek bemüht, den Gedanken zu unserer oberschlesischen Heimat in unseren Herzen wach zu halten. Mit diesem Bemühen - trotz mancher Widrigkeiten - und durch sein Tun und Wirken für seine Heimat ist der Jubilar für alle Hindenburger im Oberbayrischen Raum zum "Vater der Hindenburger" geworden. Seine Zusammenkünfte stellen immer eine Brücke von München nach Hindenburg dar.

Wir danken ihm für sein aufopferungsvolles Wirken für seine Heimat. Denn sein Ziel ist es immer gewesen: Wir wollen unsere Heimatstadt Hindenburg nie vergessen" !!!

Hans Klos

.

Seite 2

Ein Leben für  Hindenburg

Marianne Mosler wurde am 15. 10. 1925 als Tochter des damaligen Studienrats Arthur Mosler und seiner Ehefrau Maria, geb. Reiß in Habelschwerdt (Grafschaft Glatz) geboren. 1929 zog die Familie von Landeshut/Schlesien nach dem oberschlesischen Hindenburg um, wo ihr Vater eine Stelle als Oberstudienrat an der Oberrealschule antrat. Nach dem Besuch der Zedlitzschule (Volksschule) besuchte sie in den Jahren 1936-1944 die Reitzensteinschule in Hindenburg, dort bestand sie am 02. 02. 1944 ihr Abitur. Nach der Flucht studierte Marianne Mosler Romanistik an der Georg-August-Universität in Göttingen. Ihr Studium setzte sie an der Westfälischen Landesuniversität fort und schloss ihr Examen 1953 (Lehrbefähigung für die Sekundarstufe II in Französisch und Geschichte).

mosler.jpg (3337 Byte)

Am 01. 04. 1958 wurde sie als Studienrätin an der Städtischen Viktoriaschule in der Patenstadt der Hindenburger, der Stadt Essen, angestellt. Als Oberstudienrätin tritt sie 1987 in den verdienten Ruhestand ein. Bereits Anfang der 60er Jahre wurde sie auf Wunsch des "Vaters der Hindenburger", Theodor Jurok, Mitglied des Vertretungsausschusses "Hindenburg OS" bei der Patenstadt Essen unter Oswald Kohlmann. Zur gleichen Zeit war sie Mitglied der überparteilichen Politischen Bildungsstätte in Essen, die sich auf die Jugendarbeit konzentrierte. Nach dem Ortswechsel des damaligen Heimatkreisvertrauensmanns für den Stadtkreis Hindenburg OS, Herbert Skowronek, der in Nachfolge von Oswald Kohlmann und Franz Schyma die Geschicke der Hindenburger inne hatte, übernahm 1994 Marianne Mosler, als erste Frau in der Geschichte der Hindenburger nach der Vertreibung, dieses Amt, das sie bis heute mit Umsicht bekleidet.
Damian Spielvogel
.

Seite3
- Zum Gedenken des Erntedankfestes -

Auch das Erntedankfest gehört zum Brauchtum und zur Tradition der Oberschlesier. wie viel Arbeit von Säen bis zur Ernte getan werden muss und von wie vielen Faktoren die Landwirt­schaft und unsere Bauern abhängig sind. Unser Heimatland Oberschlesien war geprägt von der Landwirtschaft und der Industrie. Auch unsere Vater­stadt Hindenburg OS war nicht nur die „Stadt der Gruben und Hütten"! Das Erntedankfest ist ein geeigneter Anlass daran zu erinnern. wie unsere Gesellschaft auf die Arbeit unserer Bauern angewiesen ist. Nach einem schönen Sommer hat sich der Herbst angemeldet. man beginnt sich auf den Winter einzustellen und über den Jahreskreis nachzudenken. im Bereich des bäuerlichen Lebens ist das Erntedankfest ein hoher Feiertag, so auch unsere Erinnerungen an zu Haus. Beinhaltet doch dieses Fest zwei wichtige Begriffe Ernte das Einbringen von Getreide und Feldfrüchten, aber auch das oft sovergessene und doch so wichtige Wort "Dank" In einer Zeit vollen Überflusses soll der Erntedank von seiner ursprünglichen Bedeutung nichts einbüßen. immerhin zwei Drittel der Weltbevölkerung müssen sich sehr einschränken. ja sogar hungern. Eine reichliche Ernte einzubringen ist trotz technischen und biologischen Fortschritts nicht selbstverständlich. eine Abhängigkeit von Klima. Witterungseinfluss. Standort ist geblieben. wir alle haben daher Grund für eine gute Ernte der Vorsehung zu danken. Gerade wir Heimatvertriebenen haben nicht vergessen. was Not und Elend, Hunger und Kälte, damals in Not und Elend getrieben. bedeuten und welche Bedeutung das tägliche Brot hat.

Wie war denn die Erntezeit und der Ernteablauf zu Haus damals - wir erinnern uns: Goldgelb wogen die Ge­treidefelder. die prall gefüllten und reifen Ähren neigen ihr Haupt und warten auf die Ernte, um den Mensehen und Tieren wieder Nahrung zu geben. Es ist das alte Bild, die reifen Getreidefelder haben ihr Kleid nicht verändert, so haben wir sie auch in unserer oberschlesischen Heimat gesehen. Nur die Einbringung. Art und Weise. ist eine andere geworden. Der helle, singende Klang der Sensen, unterbrochen von Zeit zu Zeit durch den scharfen und lauten Ton der Wetzsteine. der Gesang der hoch über den Feldern singenden Lerchen sowie die hellen Stimmen der Mädchen und Frauen sind heute bei der Ernte nicht mehr zu hören. Alles wurde von den mächtigen Mähdreschern verdrängt. Da, wo diese ihre Arbeit auf den Feldern verrichten. hört man nur noch Lärm, Dieselmotoren verbreiten Gestank und bringen Unruhe in die Erntearbeit. Früher hatten die hinter den Schnittern einherschreitenden Mädchen und Frauen mit ihren Sicheln die zur Erde gefallenen Getreidehalme gesammelt und zu Garben gebunden. dieselben mit großer Sorgfalt zu Getreidepuppen zusammengestellt und mit einem spitzen Garbenhut abgedeckt. Auf der Spitze des Garbenhutes wurde dann ein Kreuz aus Ahren angebracht, als Zeichen des Dankes und der Fürbitte an Gott. Heute ist nichts mehr davon geblieben.

Wie ein Sturm fegt der Mähdrescher die Getreidefelder leer. wie ein mächtiges Ungeheuer fraß er die reifen goldgelben Ähren auf. lässt sie in seinem Maul verschwinden und speit kurz darauf das in Würfel gepresste und gebundene Stroh heraus. Die Körner werden gleich in Säcke abgefüllt und in kurzer Zeit ist die Ernte. die früher mehrere Tage dauerte und an welcher die ganze Familie teilnahm, wurde von diesem Roboter verdrängt. Verschwunden ist der Anblick der hochbeladenen Erntewagen. welche ihren Weg vom Feld in die Scheune nahmen. Versagt ist den Kindern heute die herrliche Fahrt auf einem hochbeladenen Erntewagen, und hört nicht mehr das Jauchzen und Singen der Kinder. Das glückliche Gefühl der schönen Erntezeit ist unseren Kindern heute unbekannt, die Verbundenheit mit der Natur ist geschwunden und sie sind um viele glückliche Erlebnisse ärmer. Verstummt ist auch der helle Klang der Dreschflegel. der im rhythmischen Takt aus vielen Scheunen schon von weitem her zu hören war. Verklungen ist das Dankgebet der Schnitter und Schnitterinnen. es war doch immer ein schöner Anblick. wenn in der Erntezeit die ganze Familie am frühen Morgen aufs Feld zur Ernte ging. als erster gingen die Schnitter mit ihren Sensen, dann die Frauen und Mädchen mit ihren Rechen und Sicheln und zum Schluss die Kinderschar, welche ein Leiterwägelchen mit sich führte. auf dem Speisen und Getränke sowie Säcke verstaut waren. Oft wurden auch die Kleinsten der Familie auf diesen Wägelchen mitgefahren. Fröhlich und gutgelaunt. oft Volkslieder singend. gingen diese Erntegruppen an ihre Arbeit.

Wie anders ist es doch heute, am frühen Morgen werden die Menschen vom Lärm der Mähdrescher aufgeschreckt. wie ein Tod und Verderben bringender Drachen bewegen sie sich auf die Getreidefelder zu, fressen diese in kurzer Zeit leer und hinterlassen auf den Stoppelfeldern überall verstreute Strohballen sowie Getreidesäcke. Kein Gesang der Mädchen und Vögel begleitet ihre Arbeit. verschwunden ist der schöne Anblick der Getreidefelder mit ihren gerade ausgerichteten Strohpuppen, die wie Soldaten tagelang auf den Feldern Wache halten. Besonders in den Morgenstunden und der Abenddämmerung. wem ihr Schatten lang und schmal war. und sie umso größer und wuchtiger erschienen, flößten sie einem Angst und Furcht ein.

In den mondklaren Nächten waren sie für so manches Liebespärchen ein willkommener Schutz und schöner Aufenthaltsort. Die Erntezeit soll für uns vertriebene Oberschlesier eine Zeit der Besinnung und der Rückschau sein, in dieser Zeit haben wir uns die Frage zu stellen, wie war unsere Arbeit im vergangenen Jahr für die Belange unserer Heimat, was haben wir für sie getan, was dürfen wir ernten? In den meisten Fällen wird die Ernte mager ausfallen, denn die Saat war gering. Gerade wir Oberschlesier, die in der ganzen Welt als heimattreue Grenzländer bekannt sind, sollten uns von dem überall herrschenden Wohlstand nicht aus dem Gleichgewicht bringen lassen! Unsere angestammte Heimat soll für uns immer schön und gut bleiben. sie hat unseren Charakter geformt und den sollten wir zeitlebens behalten.

Die Worte aus dem Matthäus-Evangelium 7. Kap. Abs. 20 - „An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen". soll unser Leitspruch sein. So wie wir für unsere Heimat uns engagieren. so werden auch die Erfolge sein, im Wohlstand zu leben und seine Heimat dabei vergessen. das kann jeder, das gibt keine Fürchte und die Ernte bleibt aus. Einsatz und Arbeit für die Heimat führen zum Erfolg. Als Grenzländer haben wir es schon von Kindheit an gelernt. für unsere oberschlesische Heimat zu arbeiten und einzustehen. Scheinbar haben es viele im Laufe der Zeit und durch die große Entfernung. die uns von unserer Heimat trennt, vergessen. Wir alle besitzen die Fähigkeit. haben Kraft und Mut!

Auch für uns kommt einmal die Erntezeit. scheint gar nicht mehr so weit entfernt, deshalb müssen wir mit dem ganzen Herzen und mit viel Fleiß für unsere oberschlesische Heimat bemüht bleiben. Die Ernte im großen europäischen Gesprach muss auch für uns besonders gut ausfallen. das Schicksal unserer Heimat liegt auch in unseren Händen, von unserer Arbeit wird es abhängen, welchen Platz wir und unsere Heimatfreunde zu Hause, in der europäischen Gemeinschaft, später einmal einnehmen werden.
H.Skowronek

.

Seite 4
Wie es in unserer Heimat aussah !

Wir haben keinen von hochgiebeligen Kaufhäusern umschlossenen Ring, um welchen sich ein engverzweigtes Netz breiter Straßen und schmaler Gässchen mit altertümlichen Gebäuden zöge. Nie ist unsere Stadt von Wall und Graben eingeengt worden: wir können darum nie von den "Mauern unserer Stadt" reden. Wir besitzen aber deshalb auch nicht die schönen Promenaden, Garten- und Parkanlagen, welche ehemals befestigte Städte heutigen Tages an Stelle der Wallgräben geschaffen haben. Wir besitzen keine "Villen" oder andere "Viertel".

Bei uns sind keine Jahrhunderte alten Bürgergeschlechter zu finden, in deren Mitte Handwerk und Handel sich hoch entwickelt hätten. Gelesen in "Bunte Bilder aus dem Schlesierlande". herausgegeben vom Schlesischen Pestalozzi-Verein, gedruckt zu Breslau vom Max Woywod Verlag im Jahre 1898. Der Autor Fuhland beschreibt den, wie er meint. (damals) "vielleicht jüngsten Ort in Schlesien", Königshütte. Es waren 28 Jahre her als das Stadtrecht erworben wurde. Rings um die "Königsgrube" und "Königshütte" herum wurde aus mehreren Dorfgemeinden und Ansiedlungen die Stadt gebildet.

Unsere Stadt ist im Großen und Ganzen eine Arbeiterstadt ohne Geschichte. ohne Luxus. eine Stadt, die in dem Kampfe ums Dasein gegenwärtig danach trachtet, eist "aus dem Gröbsten herauszukommen". Aus der Häusermenge ragen vier Gotteshäuser einpor: zwei katholische, ein evangelisches und ein jüdisches. Ganz wie ein Kirchturm gebaut ist der "Stephansturm" der Kaiserlichen Post: zierlich und luftig steigt er in die Höhe. Gleich zwei riesigen Armen breiten sich von ihm aus nach zwei Seiten die Telegrafen- und Telefondrähte über unseren Ort. Das Postgebäude ist der Stadt Stolz, weil es das schönste unter den Häusern ist: es ist in bunten Ziegeln ausgeführt. heißt es weiter.

Wenn auch das Hauptpostamt in unserer Heimatstadt mit keinem kirchturmähnlichen Aufbau gechmückt ist, wie das kaiserliche Postamt in Königshütte. der gewaltige Bau unseres Hauptpostamtes auf dem Bahnhofsplatz steht jedoch dem in Königshütte sicher nicht nach.

Einen von Hochhäusern eingeschlossenen Ring gab es auch nicht, aber einen Boulevard, den Bull. Die Wandelzone der Halbwüchsigen, wochentags in den späten Nachmittagsstunden. sonntags bereits am Nachmittag. In kleinen Gruppen. Mädchen und Jungen getrennt. zogen sie die Bahnhofsstraße an der Fleischerei Mronsch (?), dem Kaufhaus Woolworth. dem Restaurant und Caffe „Pürschel" vorbei bis zur "Nordsee", dem Fischhandel. Hier bogen sie rechts in die Kronprinzenstraße ein, gingen auf der rechten Straßenseite bis zum Admiralspalast. Gegenüber dem Admiralspalast führte der Weg rechts ab auf den Bahnhofsplatz am Haus Metropol vorbei zum Hauptpostamt. Am Ende des Hauptpostamtes ging es wieder rechts in die Bahnhofsstraße. Wollte man jemandem begegnen, vornehmlich des anderen Geschlechtes, dann wurde die Richtung geändert. Um zweiundzwanzig Uhr war der Boulevard leer. Sperrstunde für die Jugend unter 18 Jahren!  Aber das war in den dreißiger-vierziger .Jahren des eben vergangenen Jahrhunderts.

Auf einer Ortskarte. gezeichnet nach 1860, sind zwischen der späteren Dorotheenstraße und der Kronprinzenstraße noch große Flächen unbebaut. Es gab aber schon das "Königliche Knappschafts Lazareth" einen Holzbau, im Jahre 1856 errichtet. Dort. wo der Weg nach Sosnitza abbog, stand das "Vorwerk Dorotheen-Dorf", an der aus unserer Zeit bekannten Ecke Dorotheeenstraße - Kampfbahnallee, "Colonie Dorotheen-Dorf" wird eine Landhäusergruppe entlang des Weges, der später zur Urbanstraße ausgebaut wurde, bezeichnet.

Beiderseits der "Chaussee von Königshütte nach Gleiwitz", der Kronprinzenstraße. förderten die ,.Tief­bauschächte" der ..Königin Luisen Grube" und die Schächte „Oeyenhausein" und "Deichen" Steinkohle. Letzterer könnte später der „Wilhelmine­Lehrstollen" gewesen sein (?).

Hier ist unsere Klasse, wenige Monate vor dem Schulaustritt „eingefahren". Wir sollten einen Einblick in die Arbeit des Bergmannes bekommen. Damals. Ende 1942. kam kaum jemandem in den Sinn daran zu denken, dass er einige Jahre später gezwungenermaßen im Bergbau arbeiten würde.

Zum Gütertransport im Industriegebiet angelegt. überquerten die Gleise der oberschlesischen Zweigbahn die "Chaussee von Königshütte nach Gleiwitz". An der Strecke lagen die Kokereien Skalley und die oberschlesische Koksanstalt, Grubenanlagen.

Das größte Hüttenunternehmen war die Donnersmarckhütte entlang der "Chaussee nach Beuthen". der "Neue Beuthener Straße" im Übersichtsplan von 1941. Verständlich. dass die Ortskarte. nur wenige Jahre später in schneller Folge ergänzt wurde, weil die Entwicklung der Industrie einen fast unstillbaren Bedarf an Arbeitern hatte und demzufolge Wohnraum geschaffen werden musste. Arbeiter-Kolonien entstanden. Fast immer in der Nähe der Gruben. Hütten und Fabriken. Zeitlose, keinem Baustil einzuordnende Bauten. um zunächst "aus dem Gröbsten herauszukommen". was auch über Königshütte geschrieben steht. Zweistöckige Häuser aus roten Ziegelwänden, das Dach mit Teerpappe gedeckt. selten unterkellert. Die oberen Wohnungen bestanden überwiegend aus der Küche, der großen Stube, kleinen Stube und einer Kammer. Viele Wohnungen hatten nur eine große Wohnküche mit einer Stube. Wann die Toiletten, "eine Treppe tiefer". ausgebaut wurden. ist leider nicht bekannt. Bis dahin war der "Abtritt" auf dem Hof wo auch die "Ställe" standen. Jede Mietpartei hatte einen Stall für die Heizkohle, das Brennholz und Sonstiges.

Die Donnersmarckhütte. seit 1872 „Oberschlesische Eisen- und Kohlen­werke AG" , nahm entscheidend teil an der städtebaulichen Entwicklung. Es wurden Wohnhäuser mit Gärten für 2900 Familien gebaut, für 800 ledige bzw. auswärtige Arbeiter Schlafhäuser. Set Ende des 19. Jahrhunderts standen den Werksangehorigen eine Bibliothek. ein Hallenbad. eine Sporthalle und ein Sportplatz; ein Park, ein Kasino mit Restaurant. ein Saal mit 537 Sitzplätzen, in dem Vorlesungen, Konzerte und Theateraufführungen stattfanden, zur Verfügung. Es gab eine zweistufige Hauptschule und Berufsschulen für Gärtnerei. Hauswirtschaft sowie Nähen.

Über die Baustile in Deutschland ist im Lexikon zu lesen. dass von 1830 bis 1900 in Neugotik. Neuromantik, Neurenaissance, Neubarock; ab 1900 im Neuen Bauen, im Jungstil, gebaut wurde. Festzustellen. welchem Baustil die in diesem Zeitraum gebauten „vornehmen" Häuser zuzuordnen sind , ist für den Nichtfachmann kaum möglich. Sie wurden entlang der Kronprinzenstraße und der Dorotheenstraße und deren Nebenstraßen errichtet. Zum Beispiel Kochmann's Hotel. Ecke Kronprinzenstraße / Hüttenstraße (1941: Peter-Paul-Straße), vierstöckig, hohe Fenster, mit Erkerzimmern. vielleicht im Barockstil, Verkaufsstätten links und rechts neben dem Hoteleingang. Oder, in der Dorotheenstraße, gleich hinter der Eisenbahnbrücke. das Haus in dem Isedor H. Lewin seinen Laden hatte. Auf dem Erker eine Turmspitze, daneben ein reichverzierter Dachaufbau. Mit kleinen Türmen verziert auch das Haus an der Ecke Dorotheenstraße / Schechestraße in Richtung Schecheplatz. Haases Ausschank. hieß die Gaststätte im Erdgeschoss.

Es wäre verständlich. wenn Frau Schwientek bei ihren wöchentlichen Plaudereien mit Frau Pelka auf dem Donnerstagmarkt (Reitzensteinplatz), der seit 1875 abgehalten wurde. nachgedacht hätte: „Was soll das noch werden ? Die Häuser wachsen in den Himmel". Türme bauen sie auf die Dächer! Zu was soll das gut sein

Horst Grabinski
.

heimatbrief3.gif (4253 Byte)

vom 04.10.2000
hier gehts weiter

Kurt Lissek
90 Jahre


Marianne Mosler
75 Jahre


Gedenken des
Erntedankfestes


Wie es in unserer
Heimat aussah


Presse