Die älteste Kirche Hindenburgs Die Schrotholzkirche ?St.Andreas ? Ein Bild nach alten Darstellungen gemalt.

Die Schrotholzkirche
St. Andreas

 

Hindenburgs ältestes Gotteshaus

Wohl kaum ein Zeuge der dürftigen Hindenburger Heimatgeschichte verdient gründlichere Erforschung als jenes ,,älteste Gotteshaus" im historischen Alt-Zabrze, die alte Schrotholzkirche zu St.Andreas. Nachdem wir bereits früher sowie mit Fertigstellung des Modells dieser Kirche die Aufmerksamkeit unserer Leser auf dieses ehrwürdige Kleinod richteten, bringen wir nachstehend einen nicht minder fesselnden Aufsatz des rührigen Wegbereiters der "Hindenburger Heimatstube" in Essen.

Ein Visitationsbericht aus dem Jahre 1679 berichtet, die Schrotholzkirche sei 30 Ellen lang und 15 Ellen breit gewesen, habe 5 Fenster und 3 Eingänge gehabt. Ein Fachmann, Lutsch, beschreibt sie: Chor war nach halbem Achteck geschlossen. Die ganze Kirche war von einem unten geschlossenen  Umgang umzogen, dessen Dach ebenso wie das weit ausladende Dach der Kirche ziemlich steil anstieg, so daß es unter den tiefer herunterreichenden Fenstern selbst flacher gelegt werden musste. Die Westseite des Langhausdaches war abgewalmt. Die einzige Kunstform des Gebäudes war der Sturz eines Portals nach mittelalterlicher Art knaggenförmig ausgeschnitten.

Der Glockenturm stand abseits und hatte ein ziemlich steiles Zeltdach unter auf Knaggen weit vorragenden Traufe war ein breiter Lichtraum vorhanden. Auf dem Klrchendach ein Barrockdachreiter (Lutsch, die Kunstdenkmäler Schlesiens, Bd. 4 G. 426 u. Knossalla, Pfarrer Badestinus, zur Geschichte der Pfarrgemeinde Zabrze Hindenburg OS. Heimat XIII, 1, 5.1 fig.).

Nach der Errichtung der heutigen St. Andreaskirche an der Kronprinzenstrasse wurde leider dieses Zeugnis aus der frühesten Zeit unseres Ortes   erbaut 1546  abgebrochen und das Holz, soweit es noch brauchbar war, zum Bau eines Krankenhauses verwendet. Dieses wurde ebenfalls in den 90er Jahren abgebrochen. Wohin die innere Einrichtung dieses Kirchlein gekommen ist, läßt sich nicht mehr feststellen. Nur 2 Bilder und 2 Figuren sind durch unseren Heimatforscher, Rektor Vieth, in früheren Jahren bei hiesigen Einwohnern gefunden und von ihm in Verwahrung genommen worden. Nachdem diese Altertümer der Stadt für eine später einzurichtende ,,Heimatstube" überlassen wurden, versuchte ich, auch über das Aussehen der Schrotholzkirche selbst Näheres zu erforschen. Wohl fand ich in der oben erwähnten Abhandlung von Knossalla eine Abbildung der Kirche, leider sind die darin erwähnten Grundriss- und Querschnittzeichnungen in der Zwischenzeit verloren gegangen.

Meine weiteren Forschungen erstreckten sich nun auf die im Staatsarcbiv zu Breslau befindlichen Akten der Regierung in Oppeln, betr. Bauangelegenheiten der kath. Kirche in Zabrze. Bei Behandlung über den Neubau einer Kirche befanden sich neben einem Bericht des Bauinspektors Köbike in Gleiwitz auch eine Grundriß- und 3 Profilzeichnungen, so daß anhand dieser Skizzen nunmehr eine Nachbildung der Schrotholzkirche durch Grubensteiger Erwin Nowinsky angefertigt werden konnte, über deren ausserordentliches Gelingen wir sehr zufrieden sind.

Aus der Geschichte der früheren Jahre sei noch hervorgehoben, daß nach einem Bericht des Landratsamtvermessers des Beuthener Kreises vom 21. April 1850 die schon sehr alte und von Holz erbaute Kirche für die gegenwärtige Volkszahl viel zu klein war. Es wird aber bezweifelt, daß die Pfarrgemeinde ihren Verpflichtungen zum Neubau einer Kirche nachkommen könne, denn sie sei arm und leide noch an den Folgen der gewesenen" Notjahre " wozu noch der Umstand träfe, dass der Hütten- und Grubenbetrieb noch immer nicht in seinem früheren Flor sei. Also auch damals schon eine Einschränkung der Hindenburger Industrie.

Obwohl nach dem Bericht des Bauinspektors der Bauzustand der Kirche noch gut war, so daß sie noch viele Jahre benutzt werden könnte, war für den Bau der neuen Kirche die vermehrte Zahl der Kirchgänger ausschlaggebend. Enthielt doch die alte Kirche nur 144 Sitzplätze und 421 Stehplätze in den Gängen, den Räumen vor dem Altar und auf der kleinen Empore, sie konnte also nur 565 Kirchgänger aufhehmen, während zu dieser Zeit die Parochie bereits 1925 Konununikanten zählte. Ein großer Teil hatte also auf dem nicht sehr geräumigen Friedhof dem sonntäglichen Gottesdienst beiwohnen müssen.

Von der Armut des Ortes und damit auch der Pfarrgemeinde geben die Akten, die leider nur bis zum Jahre 1815 zurückreichen, mancherlei Aufschluß. Die Kirche selbst wurde wiederholt von Einbrechern heimgesucht.

Im August 1834 wurden Kirchensachen entwendet, der Pfarrer führte damals Klage darüber, daß er im zerissenen Ornat am Altar erscheinen müsse. In der Nacht vom 10. zum 11. März 1838 drangen wiederum Einbrecher durch Untergrabung in die Kirche und raubten neben 8 Talern aus dem verschlossenen Opferkasten die mehr als bescheidenen zinnernen und gläsernen Altargeräte, leinene und Kattun-Altartücher und 8 Wachskerzen. Die Einbrecher wurden auch hier trotz sorgfältiger Nachforschung nicht ermittelt. Der Bericht des Landrates von Henckel in Beuthen erwähnt dabei, daß der Einbruch um so mehr begünstigt wurde, als die Kirche nicht fern von der bei Tag und bei Nacht lebhaft befahrenen Kronprinzenstrasse gelegen ist und die Mondhelle bei der Beraubung den Gebrauch des Lichtes entbehrlich machte, daher auch dieselben von den Wächtern des langen und zerstreut liegenden Dorfes nicht leicht bemerkt werden konnten. Ein weiterer Einbruch in die Kirche geschah in der Nacht vom 22. zum 23. Juni 1847, wobei ein blecherner Kelch nebst der darauf befindlichen Bekleidung, welche aus einem mit unechten Goldborten besetzten Tüchelchen bestand, sowie ein altes leinenes Altartuch gestohlen wurde.

Die anfangs meines Artikels erwähnten Bilder und die Figur des Hl. Johannes hatten naturgemäß durch unsachgemäße Aufbewahrung und Behandlung stark gelitten. Ein Bild war total verschmutzt, das zweite durch Reinigung mit unzweckmäßigen Mitteln fast vernichtet. Das verschmutzte Bild ,,Christus an der Geisselsäule" hat inzwischen Gymnasialzeichenlehrer Lorenz in mühevoller Arbeit wieder gereinigt und auch die stark beschädigte Figur instand gesetzt. In den früheren Farben prangen nun wieder die etwa 200 bis 250 Jahre alten Stücke unserer dörflichen Vergangenheit.

Die in mehreren Bänden vorhandenen Akten geben noch mancherlei Begebenheiten in unserem Ort aus früheren Jahren wieder, die zwar manchen alten Hindenburger Bürgern noch in Erinnerung sein werden, in den Rahmen meiner heutigen Abhandlung nicht hinein passen. Das Stadtarchiv wird zur gegebenen Zeit weitere Mitteilungen veröffentlichen und möchte zum Schluß noch der Bitte Ausdruck geben, auch das in der Bürgerschaft vielleicht noch vorhandene ,,Material über die Ortsgeschichte sorgfältig zu sammeln" und uns zu überlassen, damit die Ereignisse unserer Heimat und die Geschichte unserer Vorfahren unseren Nachkommen ein aufschlußreiches Bild geben mögen.

Diese damalige Bitte unseres Heimatfreundes, Herrn Theodor Jurok, gilt auch heute mehr denn je für unser ,,Heimatmuseum Hindenburg OS-Kultur- und Erinnerungsstätte" in unserer Patenstadt Essen - man sollte dieses beherzigen!

Herbert  Skowronek

Hindenburg OS

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