Hindenburger   Denkmäler und Gedenktafeln bis 1945      Seite 1
Entnommen aus "Unser Oberschlesier"

 

 

mit dem Mauszeiger auf das Wappen gehen und mehr sehen !

Sehr viele Jahre gab es in Hindenburg OS Straßenkreuze, Kapellen und Heiligenfiguren, die als Denkmäler galten. In den uns zugänglichen Unterlagen fanden wir keine Informationen über irgendwelche Denkmäler in Hindenburg 0S, die den preußischen Königen oder den deutschen Kaisern gewidmet waren. Wir fanden auch keine Informationen über Denkmäler, die vor 1918 aufgestellt wurden. In diesem Zusammenhang kann angenommen werden, daß Denkmäler - bis auf zwei Ausnahmen - aus den Jahren 1920-1940 stammen.  

   

Wem waren die Denkmäler und die Gedenktafeln in Hindenburg OS gewidmet? Verdienten Personen für Hindenburg 0S; gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg; Hindenburgern, die entweder für den Verbleib Oberschlesiens bei Deutschland oder für den Anschluß an Polen kämpften; Bergleuten, die unter Tage verunglückten. Außerdem, nach Januar 1933, gab es einige Denkmäler, die den Nationalsozialismus verherrlichten.

Es gab eine
Rattenfänger-Figur

a

dieses Denkmal seht heute wieder auf dem Reitzensteinplatz

a  

Diese Figur stand auf dem Reitzensteinplatz, wurde dann von den Nationalsozialisten entfernt, landete nach Kriegsende im  Wojewodschafts-Erholungspark in Königshütte, um 1996 wieder nach Hindenburg OS zurück zu kommen.

(Höhe ca. 1,70 m).


Erhaltene Beschriftungen von Tafeln und Denkmälern sind sehr unterschiedlich. Einige sind sehr informativ und andere wiederum weniger. Das hängt von den uns zur Verfügung stehenden Unterlagen ab. Die Grundinformationen stammen aus der Gleiwitzer Zeitung ,,Der Oberschlesische Wanderer" aus den Jahren 1918 - 1940. Viele Informationen entnahmen wir der Foto- und Ansichtskartensammlung des Städtischen Museums in Hindenburg OS und des Staatsarchiv in Gleiwitz. In einigen Fällen auch im ,,Hindenburger Anzeiger", ,,Hindenburger Heimatbrief", ,,Nach der Schicht " - ". Werkzeitung der Ballestrem-Gruben", ,,Oberschlesien in Bild" ,,Ostdeutsche Bau-Zeitung". Fast alle Denkmäler und Gedenktafeln wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vernichtet. Sollte das nicht der Fall sein, dann wurde es im Text vermerkt. Denkmäler und Gedenktafeln, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Hindenburg OS errichtet wurden, sind im Artikel von Antoni Grajpel (Denkmäler und Gedenktafeln Hindenburgs) abgedruckt in (Chroniken der Stadt Hindenburg OS) Nr.12 aus dem Jahr 1980, veröffentlicht.

Das erste nichtkirchliche Denkmal im jetzigen Stadtgebiet Hindenburgs war wahrscheinlich das Denkmal August Borsigs, dem Gründer der Borsigwerke in Biskupitz. Auf einem nicht allzu grossen Denkmalsokel stand vor dem Verwaltungsgebäude der ,,Borsigwerke" (Schloß-Straße) in Biskupitz eine Metallbüste des Industriellen, die eine Kopie der Plastik von Christian Rauch (1777-1857) war. Die 60 cm große Plastik entstand 1855. Ein Jahr später wurde die Marmorausführung auf dem Grab von A. Borsig installiert. Im Jahr 1874 entstand eine Bronzebüste dieser Figur, die nach Hindenburg OS gekommen war. Auf der Vorderseite des Sockels stand geschrieben:

"A. BORSIG/ 1804-1854"

Bis heute konnte man das Aufstelldatum nicht feststellen. Es wird angenommen, daß die Enthüllung entweder am Ende des 19. Jahrhunderts oder am Anfang des 20. Jahrhunderts stattfand.


Wahrscheinlich während des Ersten Weltkrieges entstand die Gedenktafel, die mit dem tragischen Unfall des Verwalters des Neuhofs in Klausberg , der Guido Graf von Donnersmarck gehörte, in Zusammenhang stand. Der Verwalter hieß

Emil Golly

am 17. September 1915 wurde er infolge eines Wagenunfalls mit schweren Verletzungen in das ,,Auguste-Viktoria-Krankenhaus" eingeliefert. Trotz Bemühungen der Ärzte starb er an den Folgen des Unfalls. Die senkrechte Tafel in Höhe von 80 cm stiftete der Fürst und ,,alle Verwalter der Ländereien" seiner Güter. Derzeit befindet sich die Tafel, mit teilweise erhaltenen Beschriftungen auf einem Ziegelsockel entlang der zum Neuhof führenden Straße. Lesbar sind nur folgende Schriftzüge: / der Fürst. Oekonomie-Inspektor / Emil Golly 1.. .17.9. 1915 / Gewidmet. .1 Fürst von Donnersmarck / und Sämtlichen-Beamten / der Oekonomie-Verwaltung".


Das erste Denkmal, das wir genau datieren können, war Walter Steinhoff (1872-1923), dem Direktor der ,,Königin-Luise-Grube" (1917-1923) gewidmet. W. Steinhoff war Gründer des Volks- und Sportparks in Zaborze, der später nach ihm benannt wurde. Sein Denkmal wurde in diesem Park am 29. Juni 1924 enthüllt. Der Baumeister Brauer und der Obersteiger Bressler initiierten die Denkmalentstehung. Das Denkmal in Form eines großen Obelisk bestand aus mehreren Findlingen, die mit einer Zementmischung verbunden waren. Auf dem oberen Stein befand sich ein Medaillon mit Kopfrelief von W. Steinhoff. Auf einem der unteren Steine, die den Denkmalgrund bildeten, wurden Hammer und Schlegel eingemeißelt und auf deren Seiten Pflanzenmotive.

Darunter wurde folgender Schriftzug eingemeißelt: ,,Steinhoff-Park".

Das Denkmal wurde mit Steinen umringt und vor der Parkallee trennten es vier Steintreppen. Es wurde auf dem Nordufer des Parkteiches installiert.


Im März 1927 wurde bekanntgegeben, daß in Hindenburg OS ein Denkmal für den ersten Präsidenten der Weimarer Republik, Friedrich Ebert, entstehen soll. Das Projekt wurde aber nicht realisiert.

Eine Gedenktafel, die dem deutschen Abstimmungskämpfer' Karl von Reitzenstein, gewidmet war, wurde auf der Vorderseite der Mittelschule für Mädchen, die später auch seinen Namen trug, angebracht. Auch der Platz, wo diese Schule sich befand, wurde nach ihm benannt. Am 29. November 1928 wurde die Tafel durch den Oberbürgermeister der Stadt Hindenburg OS, Dr. Hans Lukaschek' enthüllt. Die Tafel wurde von dem Akademischen Zeichenlehrer Hans Breitenbach entworfen. Sie wurde in der Königlichen Eisengießerei in Gleiwitz gegossen. Im oberen Tafelteil befand sich in Form eines Medaillons das Profil des Kopfes der Kopfabbildung des K. von Reitzenstein. Unten befand sich folgende Beschriftung:

,KARL FREIHERR VON REITZENSTEIN / PILGRAMSDORF "

* 10. APRIL 1873 † 18. NOV 1924 / VORKÄMPFER DES DEUTSCHTUMS / IN OBERSCHLESIEN".


Das Denkmal des Mitbegründers der deutschen Sozialdemokratie hatte die kürzeste Lebensdauer aller Hindenburger Denkmäler. Es stand in der ,,DEWOG-Siedlung", zwischen den Häusern der Rathenau- und Bebelstraße, in Richtung der späteren Hardenbergstrasse. Enthüllt wurde es am 1. Mai 1931 durch den nachfolgenden Oberbürgermeister, Julius Franz. Auf einem nicht großen Ziegelsockel befand sich die Büste Bebels, die in der Gleiwitzer Gießerei angefertigt wurde. Auf der Vorderseite des Sockels befand sich folgende Beschriftung:

,,BEBEL/1840-1913"

Das Denkmal wurde sehr schnell zum Angriffsziel der örtlichen SA-Männer. Inder Nacht vom 14. auf 15. Juli 1932 wurde die Büste mit einem scharfen Gegenstand beschädigt und die Beschriftung zerschlagen. Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde das Denkmal 1933 auseinandergenommen.


Der Gedenkstein für Adolf Deichsel, aufgestellt auf dem Werksgelände der Deichsel-Werke, wurde am 1. Mai 1936 enthüllt. Adolf Deichsel war der Sohn des Werkgründers' langjähriger Direktor und Ehrenbürger der Stadt Hindenburg OS. Inmitten eines Granitsteines befand sich folgender Schriftzug:

,,Zum Gedenken an ihren hochverehrten Seniorchef Herrn Kommerzienrat Dr. h. c. Ad. Deichsel die dankbare Gefolgschaft. 1.5.1936".


Der dem Komponisten Paul Kraus gewidmete Gedenkstein wurde am 5. September 1938 im Klausberger Park enthüllt. Paul Kraus wurde am 18. Juli 1870 im damaligen Mikultschütz (später Klausberg OS) geboren, er komponierte fünf Operetten, 50 Walzer und über 200 andere Titel. Er starb am 12. Mai 1934 in Bad Kissingen und wurde einige Tage später in Beuthen OS beerdigt. Im oberen Teil des ca. 130 cm hohen Granitobelisk wurde eine ovale Plakette mit Notenschlüssel abgebildet. Darunter befand sich folgende Aufschrift: ,,Unserem / Heimatkomponisten / Paul Kraus / 1870-1934 1 Klausberg 1938".